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THEMA: Versuch der Überholung eines C-Melody

Versuch der Überholung eines C-Melody 11 Feb 2012 10:22 #106916

  • Wulf
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Hallo in die Schrauberecke,

Zunächst muss man TOKO danken, dass er mal einen Blick hier rein geworfen hat.

Der Fred dürfte jetzt auch so langsam an den Stellen angekommen sein, wo viele interessierte Mitleser sich sagen....neee, das tue ich mir jetzt aber doch nicht an, deshalb lieber gleich ab mit dem Horn zum professionellen Saxdoc.

Also jeder mitlesende Doc wird sich, vll. auch schmunzelnd, über diese kostenlose Werbung freuen.

Da TOKO...mit gesträubten Nackenhaaren..:) ja schon mal "A" gesagt hat, ist zu hoffen, dass er bezügl. des Polstereinbaues auch noch ein erklärendes "B" nachfolgen lässt.

Meine persönliche Lernbegier zum Thema Sax wird jedenfalls wohl nie enden.

Möchte auch hier nochmal auf Seite 3 des Freds veweisen und mich selbst zitieren:

Alles was ich hier von mir gebe und noch geben werde, hat keinerlei Anrecht auf Allgemeingültigkeit.

Das sind alles Dinge, die ich als Hobby-Schrauber mit persönlich- praktisch gemachte Erfahrungswerte gemacht habe und auch gerne weitergebe um interessierten und gleichgesinnten Schrauberlingen den Einstieg zu erleichtern.


Und meine Devise ist eben: Es führen viele Wege nach Rom / zum Ziel.

Und deshalb praktiziere ich beim Polstern (wenn ich keine Originaldicke habe) nach wie vor eine Methode mit einer Komination aus vorsichtigem Biegen, leichtem Schrägeinbau und teilweise auch Polsterrückseite verdünnen, wenn die Polster eben etwas zu dick sind und die Situation es erfordert.

Übrigens...an der hohen Oktavklappe wird auch immer gebogen um die Oktavmechanik einzustellen, also Biegen ist aus meiner Sicht nichts verwerfliches, wenn man es richtig und gefühlvoll macht.

Schrägeinbau ohne fummeliges Unterlegen mit Pappesegmenten, das geht auch mit Heißkleber ganz gut.

Biegen eben immer nur vorsichtig an Klappen mit langem Hebel( z.B. an den langen Palmkeys oder auch an den Tiefklappen )

Vor allem ein Biegen in Querrichtung (mit eingelegtem Polster) zur Vorausrichtung vor dem Einkleben ist an den alten Kannen fast immer notwendig.

Wie an früherer Stelle aber schon hingewiesen, muss man sich darüber im Klaren sein, dass das alles Konsequenzen auf die Klappenaufgänge und die Kopplungen hat.

Wenn man also an der Polstervorderseite Aufgangshöhe verliert, muss man am hinteren Anschlagsfüßchen diese Höhe durch leichte Änderungen wieder herstellen.

In der Regel durch Abschleifen am Anschlagsfuß, biegen ist hier absolutes Tabu, so das auch der Anschlagskork in ausreichender Dicke wieder passt.

Deshalb ist es auch immer sehr sinnvoll, vor Beginn von Demontagen, die ursprüngliche Aufgangshöhe zu messen und aufzuschreiben.

So....wenn die Profis wieder mit mir schimpfen, lass ich das gerne über mich ergehen und lerne begierig immer wieder dazu.

Fazit: Polster in Originaldicke besorgen wäre der beste Weg, nur so einfach ist das auch nicht immer die zu kriegen.
Persönlich komme ich jedenfalls mit den Pisonis ganz gut klar.


Viel Erfolg weiterhin.....und Du wirst es auch schaffen, gib blos nicht auf !

Schöne Schraubergrüsse

Wulf
Mein Youtube-Kanal:
www.youtube.com/user/WuffySax
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Versuch der Überholung eines C-Melody 11 Feb 2012 13:31 #106919

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Hallo In die Runde
Und ein Hallo an dich Wulf B)

Hijoe, laß dich hier nicht verunsichern, es ist gut sich vorher Viele Gedanken zu machen, und noch besser finde ich dass du uns das alles mitteilst.
Toko hat als Pofi andere Ansprüche als du als Hobbyschrauber, allerdings sollte er nach seiner Kritik auch lösungshilfe bieten.
Wulf hat schon viele nützliche Tips hier abgegeben und ich würde es genauso machen wie er.
Du musst deinen Weg gehen,und durch deine Fehler lernen.
Mein erstes Projekt war auch ein c mel, und es hat Wochen geduert bis ich es einigermaßen hinbekommen habe.
Aber danach ging es immer besser, und Mittlerweile ist es für mich ein entspanntes Schrauben, was mir viel Freude bereitet.

PP
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Versuch der Überholung eines C-Melody 11 Feb 2012 14:48 #106922

  • antonio
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Hallo
Meine Erfahrung in der Totalüberholung von Saxen ist beschränkt. Bei meinem Ersten habe ich auch mit Biegen einzelner Rippen an den Klappen "nachgeholfen". Das ist tatsächlich nicht der Hit und kann letztlich mehr Probleme veruraschen, als es löst.

Gerne vebiegt man z.B. dabei die mühsam gerichteten Klappendeckel, wenn nicht gar ganze Achsführungen. Es kommt dabei drauf an, wie die Rippen dimensioniert sind, wie lang und welche Festigkeit sie haben. Würde ich aber nur noch im äussersten Notfall machen. Man muss ganz klar wissen, was man tut - so wie Wuffy das beschrieben hatte.

Dann lieber nach dünneren Polstern Ausschau halten.

antonio
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Re:Versuch der Überholung eines C-Melody 11 Feb 2012 21:33 #106936

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Hallo HIJOE, möchte mich ebenfalls Wulf anschliessen, er spricht mir förmlich "aus dem Herzen :) ". Lass dich bloss nicht durch irgendsoeinem Kommentar verunsichern. Geh deinen Weg. Solltest du wirklich dünnere Polster benötigen, dann hier www.prestini.de/index.php?k=749 Vor allem lerne dabei. Ein Sax ist allerdings nicht die leichteste Aufgabe. Und bevor du das Werkzeug in die Ecke schmeisst einen Tip. Besorge dir eine alte komplette Klarinette und versuche dich an dieser. Ist sehr viel einfacher und hilft dem Ego, da nicht soviele Klappen miteinander verbunden sind, und somit Klappenaufgänge sich nicht so untereinander beinflaussen. Und dann erneut zum Sax. Dass diese generell schlecht intonieren ist quatsch, kommt sehr auf MS/Blatt an. Und haben sich deshalb nicht durchgesetzt, auch quatsch, da waren andere Interessen hinter, damit C nicht überlebt. Komischerweise hat es sich bei der Querflöte durchgesetzt, Böhm war halt doch etwas neues, Claus
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Re:Versuch der Überholung eines C-Melody 11 Feb 2012 22:31 #106939

  • HiJoe
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Danke

Danke an alle für den guten Zuspruch und für die vielen hilfreichen Tips, die ich auch wirklich brauche! Danke auch an Toko, dass er schon mal in den Thread reingesehen hat!

Ich werde auf jeden Fall weiter machen, es macht mir immer noch Spaß, und ich habe jetzt schon viel gelernt! Ich hoffe, ich nerve den ein oder anderen mit dem Thread nicht zu sehr. Um ehrlich zu sein stecke ich nicht nur in die Überholung des Sax (relativ) viel Zeit rein, sondern auch in diesen Thread (z.B. die Fotos machen ist ziemlich aufwändig), aber das ist mir die Sache auch wert. Dieser Thread ist für mich Tagebuch, Hilferuf und netter Kontakt zu Gleichgesinnten in einem, also eine super Sache! :)

Ich will aber nicht zu viel rumreden, sonder nur kurz skizzieren, was als nächstes ansteht:

1. Federn bestellen. Ist fest für morgen terminiert.
2. Achse versuchen gerade zu richten mit Tokos "Hammerstielmethode". Der Hammerstiel ist schon da, die Schutzbrille auch :laugh: , nur die Halterung für die Bohrmaschine muss ich noch bestellen (gibt es bei Amazon). Mal sehen, ob die Achse mir um die Ohren fliegt, kann natürlich gut sein. :blink:
3. Demnächst: Polster einkleben, komme, was da wolle. Wenn mir nichts besseres einfällt, und davon ist abolut nicht auszugehen, werde ich Wulfs Ratschläge befolgen, denn sie erscheinen mir sehr plausibel. Vielleicht kommt auch noch ein Rat von Toko, wobei ich befürchte, dass der einzige Rat eines Profis sein kann: "besorg Dir passende Polster." Ich habe gerade nochmal die rechte Hand gecheckt: die großen Polster (D, E, F) erscheinen mir eher zu dünn, die kleineren (F#, G#) eher zu dick. Tja, komisch.

OK, bald geht es weiter in diesem Kanal! Stay Tuned! :laugh:


PS: generelle Bemerkung: bitte diesen Thread nicht bierernst nehmen. Es geht hier ja nur um ein Sax. Also immer locker bleiben, ich bins auch! :)
PPS: trotzdem habe ich manchmal die romantisch verklärte Vorstellung, dass ich dieses Sax vielleicht mal an meinen Sohn vererben werde, und er es in Memoriam an mich spielen wird. :blush: :unsure: :laugh: Ohh man, je mehr Arbeit man in so ein Teil steckt, desto mehr wird es ja auch Teil von einem selber, gelle!
Letzte Änderung: 11 Feb 2012 22:37 von HiJoe.
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Re:Versuch der Überholung eines C-Melody 11 Feb 2012 23:59 #106941

  • Toko
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Liebe Gemeinde,

wer mich kennt weiß, dass ich ein absoluter Unterstützer von "Hobbiereparateuren" bin und sonst auch niemals die Videos gemacht hätte. Ich finde es immer unterstüzenzwert, wenn Spieler sich auch mit der Technik des Instrumentes auseinandersetzen und daher will ich nun auch hier gerne noch einmal eingreifen und ansetzen.

Wenn ich dann im folgenden auch kritische Äußerungen anbringe bitte ich diese nicht Mißzuverstehen. Ich vberstehe den Unterschied zwischen Profireparateuren und Hobbiereparateuren, aber es gibt eben auch Dinge die auch nicht bei Laien gemacht werden sollten, damit das Ergebnis am Ende möglichst positiv ist und vor allem bleibt.

Ich hätte nicht gedacht wir lange es dauert diesen Thread komplett durchzulesen, aber es ist vollbracht ;-) und nun liegt hier vor mir eine Liste mit Punkten die ich gerne abarbeiten möchte und werde. Allerdings ist vieles schon in den Videos gezeigt, darum werde ich mir hier nur nochmal die Wesentlichen Punkte rauspicken und am Ende noch einen Vorschlag machen, der sicherlich für viele sehr interessant sein könnte. Vorasustzung ist, dass Smatjes da mithilft und das ganze angeht.

Erwähnen möchte ich noch, dass ich es immer wichtig finde, sich gerade beim ersten Versuch an einem Saxophon ran zu wagen, was im schlimmsten Fall nicht den Ruin bedeutet, wenn dann am Ende nichts mehr geht ;-).....

Ziel sollte sein, dass Sax nicht nur spielbar zu bekommen, sondern auch so vernünftig herzurichten, dass es am Ende auch nicht nur für kurze Zeit spielbar ist sondenr auch der Verschleiß nicht schneller entsteht als es sein muss. Da werde ich noch mal auf das Biegen darauf zu sprechen kommen.

Verrostete Achsen und Spitzschrauben:

Bewährt hat sich hier ein Mechaniköl zu nehmen und die Klappe leicht zu erwärmen, auch ein 2 oder 3maliges Erwärmen hat hier meist zu Erfolg geführt.
Unterschätz wird hier jedoch meist eines, einen absolut perfekt passenden Schraubendreher. Bei Hartnäckigen Verrostungen schleifen oder feilen wir unsere Schraubendreher immer für die jeweilige Achse oder Schraube passend. Der Schraubendreher muss stramm bis an den Boden des Schraubschlitzes passen und darf in der Nut nicht wackeln. Nur so lässt sich ein Maximum an Drehkraft aufbauen. Man wird erstaunt sein, wieviel festsitzende Achsen/schrauben sich nur durch einen richtig passenden Dreher noch so lösen lassen. Wegen des erhöten Druckaufwandes ist allerdings im Falle eines Abrutschens immer auf Verletzungen Acht zu geben. Auch die Säulchen müssen auf einer Unterlage aufliegen, damit man sie bei diesem Vorgang nicht verbiegt.


Zentriertheit der Deckel auf den Tonlochkaminen:

Im gewissen Sinne ist es hier meist Kosmetik, die uns natürlich sehr wichtig ist, aber generell nicht von technisch hoher Bedeutung ist, wenngleich es auch Ausnahmen gibt. Aber wenn ich das Sax schon komplett zerlege und neu Aufbaue, dann können solche Dinge, wenn sie denn vorkommen, gleich verbessert werden. Das Auge spielt ja mit ;-)


Federn:

Da die Federn jetzt eh alle raus sind und so wie sie auch aussehen, da kann man sie auch gleich alle neu machen, die Kosten nicht die Welt und eine neue Feder anpassen wird unaufwendiger als alte wieder neu einrichten.
Wie schon erwähnt wurde schneiden wir die Federn kurz vor dem Säulchen ab und drücken sie dann mit der Spezialzange raus. Hier gibt es sicherlich Alternativen zu unseren Werkzeugen. Aber ich würde einen Vernünftigen Seitenschneider nehmen, dann ist es spielend leicht Federn bis 1,6 mm mit einer Hand abzuschneiden ;-). Federn bekommt man übrigens ab 0,4mm bis 1,6mm.

Ist eine Federlochbohrung zu groß gibt es verschiedene Möglichkeiten dieses zu bearbeiten. Die Aufwendigste wäre eine Art Norton Spring zu bauen, ist aber eher für Profis.
In Deinem Fall würde ich dazu raten eine Messingstange zu nehmen und diese einzulöten. Die Federlochbohrung würde ich nur soweit aufarbeiten, bis die Bohrung sauber, glatt und gleichmäßig ist und genügend Material zur Außenfläche des Säulchens übrig bleibt. Die Messingstange dann vom Durchmesser runterarbeiten und etwas mit Überstand einlöten. Sicherlich wäre es am idealsten, wenn es sich mit gängigen Normmaßen machen ließe.
Sehr von Vorteil wäre es in das Messingröhrchen von vorherein eine kleine ca. 1,5 - 2 mm Bohrung zentriert einzubohren. Dann das Röhrchen mit Überlänge einlöten, abfeilen und dann entsprechend dem was benötigt wird das Loch des Röhrchens auf Federmaß aufbohren. Bei einem Gis Drücker zw. 1,2mm - 1,4 mm. Bei Deinem Modell sollt es wohl eine 1,4mm sein müssen.
Ein Vollmaterialröhrchen einlöten und dann am Sax aufbohren, dass geht zwar auch ist aber wesentlich schwieriger.


gerissene Klappe:

Auch hier ist es im Endeffekt Komsmetik, wenn die Klappe an sich fest ist. Anonsten würde ich das mit Hartlot bearbeiten und neu anpassen. Man kann es natürlich auch mit Zinn auffüllen, ich würde es dann aber eher gleich richtig machen.


kleines Tonloch an der Korpus Rückseite:

... nennt man Eb Triller Klappe. Sie trägt den Namen aus bestimmten Grund ;-) und wir lassen sie auch immer aktiv. Es gibt als Sonderwünsche, die das nicht möchten, wir haben aber die Erfahrung gemacht, dass hier auch die Intonation besser ist, wenn sie aktiv bleibt.

Reinigung/Politur:

Ich verwende heute bei versilberten Instrumenten nach Möglichkeit nur noch eine spezielle Silberseife, die die Oberfläche nicht angreift und dem Instrument einen Schutz bietet. Hierbei handelt es sich um eine spezielle Kalk-Laugen Mischung.
Nur bei extrem hartnäckigen Fällen gehe ich mit einem Silberbad ran. Eine Politur mit Unipol führe ich hingegen nicht mehr durch. Sollte ich mit Silberbad arbeiten, dann wird das Instrument im Anschluss mit der Silberseife nachgereinigt. Folgend ist dann nur noch ein abreiben mit einem sauberen Tuch nötig.

Silberputztücher empfehle ich in der Regel zu vermeiden. Je nach Art und Weise können diese für die Versilberung eher einen nachteiligen Effekt haben.

Führung für Röhrchen:

Hier bietet sich an, ganz glattes Katalogpapier einzukleben, da es eine ideale glate Oberfläche hat. Diese dann noch leicht mit Öl benetzen und gut ist.
Achtung ganz wichtig

Vorraustzung um am Ende ein wirklich gut spielendes Sax zu haben was auch lange so hält sind einige Punkte besonder wichtig, die ich jetzt aufzähle. Diese Punkte sind das A und O. Wenn man diese nicht penibel beachtet, braucht man gar nicht erst mit der Polsterung anzufangen.
Ich werde jetzt auch nicht über die Reihenfolge wann wir was machen etc. schreiben. Das kann man auch ganz anders machen aber es sollte unbedingt folgendes beachtet werden:

1.

Es darf in der Mechanik weder readiales noch achsiales Spiel sein. Kleinste Mißachtungen bringen meist großen Ärger beim bepolstern mit sich.

Unterschätzt wird hier häufig das Spiel im Säulchen selbst, schaue ich mir bei Deinen Bildern zum Beispiel auf Seite 15 Bild 1 + 2 + 3 an, dort siehst Du immense Lücken zwischen Säulchen und Achse.
In Verbindung mit den härteren Polstern wird Dich das beim bepolstern wahnisnnig machen, sorry, wenn ich Dich hiermit frustriere, aber eigentlich will ich Dich motivieren in der Hoffnung, dass Du dran bleibst.

2.

Das Tonlochkamin sollte unbedingt gerade sein, auch hier wirst Du sonst mit dem Polstermaterial was Du da hast immense SChwierigkeiten bekommen. Bitte auch nicht planlos plan schleifen. Die Basis sollte hier mit ausbeulen geschaffen werden und nur im schlimmsten Fall minimale Verbesserungen über das Tonlochkamin von oben durchgeführt werden.

Der Deckelrand einer jeder Klappe, in der das Polster sitzt muss plan sein, wenn diese Vorausstzung nicht steht, wird das Polster auf Dauer an verschiedenen Stellen unterschiedlich stark gedrückt und Du wirst fluchen beim bepolstern und nach kurzer Zeit schon wieder undichte Polster bekommen. Das wäre einfach schade, wenn Du schon den Aufwand betreibst.

3.

Die Achsen müssen richtig sauber laufen. Kleine Hemmungen in der Bewegung zahlen sich doppelt und dreifach schlimm aus, wenn das Sax komplett montiert ist und mehrere Klappen gleichzeit aufeinander einwirken.

4.

Die Säulchen, besonders der rechten und linken Hand, müssen sauber in der Flucht stehen, damit die Mechanik später einwandfrei funktionieren kann.


Dieses sind die wichtigsten Voraussetungen, um überhaupt erst in die Bepolsterung zu starten. Es sind im Endeffekt ganz simple und natürliche Dinge, die aber gerade bei Vintagesaxophonen unterschätzt werden und daher oft auch bei Profis zu einem nicht immer besten Ergebnis führen.

Kommen wir zum

Biegen von Klappen:

Warum ich mich dagegen so gewehrt habe ist, dass genau mit dieser Methode oben aufgeführte Vorausetzungen entgegen wirken.
Wichtig ist hier, dass man sich im klaren ist, dass die Deckelteller an einem kleinen Punkt über einen Arm gelötet sind, der dann wiederum in Verbindung mit dem Röhrchen ist durch das die Achse läuft und hier wiederum am Säulchen den Kontakt hat.
Wenn ich also bei einem zu dicken Polster ein Blech unterlege und biege, wird sich unweigerlich der Deckelrand verziehen/verformen, somit also uneben werden. Das Polster was nun in einem schiefen Deckelboden liegt, wird auf dem Rand des Tonlochkamins wieder unterschiedlich stark beansprucht. Dies führt dann unweigerlich wieder deutlich schneller zu Undichtigkeiten. Es ist hier nicht zu unterschätzen wie "weich" dann doch das Material auch bei massivem Gestänge ist.

Oft passiert es dann auch das Röhrchen leicht verziehen und Mechaniken auf den Achsen zwar immer noch laufen, aber irgendwie doch so einen Hauch Hemmnis aufweisen.

Zudem besteht die Gefahr, dass letztendlich sogar Säulchen durch die Hebelwirkung verziehen und in der linken und rechten Hand dann nicht mehr in der Flucht stehen.

Ich gehe nun nicht davon aus das hier mit größtem Kraftaufwand gebogen wird, nein, es reicht je nach Sax schon auch leichter Kraftaufwand und genau das ist, warum ich mich wehre, das Mechaniken gebogen werden. Das hat dann auch nichts mit Profi- oder Hobbiereparateur zu tun, sondern es ist grundlegen falsch!

Einen weiteren Nachteil durch das Biegen hat man am Ende beim einstellen der Klappenaufgänge. Bei Vintagesaxophonen ist oft nicht viel Spielraum beim unterkleben von Aufschlagkorken. Biege ich den Deckel also bei einem zu dicken Polster runter, fehlt mir im schlimmsten Fall am Ende der Spielraum zwecks Intonation den bestmöglichen Aufgang zu bekommen. Es stimmt einfach nicht, wenn man schreibt C-Mels wurden nicht mehr gebaut weil sich schlecht intonierten. Die Intonieren genau so gut/schlecht wie andere Saxophone, nur muss man sie richtig überholen, um das bestmöglichste Ergebnis zu bekommen und Ausreißer hat man auch beim Alt oder Tenor ;-)...


Polster:

Hier sind tatsächlich Polster zu wählen, die von der Dicke dann die richtige Vorausstzung bieten. Hier hat so jeder seine Vorlieben und Erfahrungen, da könnte man jetzt tausende Meinungen anhören.
Meine Empfehlung ist seit Jahre Pisoni DeLuxe. Je nach Resonator sind das die DS-110 oder DS-112.
die weißen von Musicmedic verwende ich nicht weil der Filz zu hart ist und sich zu schnell verändert, dass Sax daher schneller wieder undicht wird. die Erfahrungen weiß ich mittlerweile auch von anderen Saxdocs, ich hatte mich von Anfang an gegen diese Polster gewehrt. Schade eigentlich, denn das Leder an sich ist das beste was es gibt.
Prestini verwende ich nicht, da mir das Leder zu Porig ist. Da soll es aber neue geben, die schaue ich mir auf der Messen an.
Schwarze gibt es auch von Pisoni, die verwende ich auch nicht, denn diese kleben wie Hölle, schlimmer hab ich es noch nicht erlebt.

So meine Erfahrungen.

Reihenfolge Zusammenbau:

Wir beginnen immer mit der rechten Hand, die Maßstab für alle anderen Aufgänge ist. Hier ist es aber eben auch die Erfahrung, die uns von vornherein beim bestimmen hilft. Anhand der rechten Hand ergibt sich dann auch der Aufgang der Gis Klappe die dann folgt. Weiter geht es über die linke Hand, Palm Key, Oktavmechanik. Seitentriller über das Knie bis zum Becher am Ende. Bei vorhandener Eb Triller Klappe wird diese gleich mit der rechten Hand zu Beginn angepasst.

Wenn die Grundlegenden 4 Punkte und das richtige Polstermaterial gewählt ist, dann ist auch die Vorrausstzung für die Bespolterung ansich geschaffen, damit man das Polster mit leichtestem Fingerdruck zum decken bekommt.
Hier ist darauf zu achten, dass das Polster an sich so im Deckel sitzt, dass es über all glich dick aus dem Deckel heraussteht und dann auch von allen Seiten betrachtet eben auf das Tonloch auftrifft. Das wäre das perfekt Maß.

Dann erübrigt sich auch die Frage nach dem Unterarbeiten von Karton unter dem Polster. Das ist absolut unnötig und zeugt von einer nicht sauber ausgeführten Vorarbeit.

Wenn Du soweit bist, dass Du Polsterst werde ich noch mal etwas zum bekorken, befilzen und Papier schreiben.

Wsa ich Dir nun verfasst habe, soll Dich motivieren weiter zu machen und nicht demotivieren. Und wenn nötig werde ich gerne helfen. Aber bitte nicht ungeduldig sein, mein Job hier im Laden geht vor und ich kann mir nicht jeden Tag so viel Zeit wie heute nehmen, wenngleich ich durch diesen Thread motiviert bin mal wieder aktiver in der Saxwelt zu werden ;-), danke dafür .....


Daher noch zum Schluß folgendes. Ich werde in Kürze zwei Threads aufmachen in denen es um Werkzeugbau geht und spezielle Problembewältigung bei der Reparatur. Da werde ich mit Euch Ideen sammeln und dann wird es glaube ich Zeit mal wieder eine Videosession zu machen. Da wir in der kommenden Woche eh wieder neu ausbilden wird wieder einiges an Werkzeug gebaut werden. Das würde doch passen.....

Also bis die Tage und nein, ich lese jetzt nicht auf Fehlerkorrektur :-)

Gruß,

ToKo
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Re:Versuch der Überholung eines C-Melody 12 Feb 2012 01:32 #106944

  • HiJoe
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Hallo Toko,

also zunächst einmal herzlichen Dank für die sehr ausführliche und informative Antwort!

Mir und sicher auch allen anderen ist absolut klar, dass Du dich in erster Linie um Dein Arbeit kümmern musst, und dann ist ein wenig Privatleben ja auch nicht schlecht :) . Umso mehr weiss ich es zu schätzen, dass Du dir die Zeit genommen hast, Dich durch diesen langen! Thread zu quälen und auch noch eine so ausführliche Antwort zu verfassen.

Mal abseits von meinem Sax will ich Dir folgendes sagen: Du kannst sehr gut erklären, pflegst einen sehr netten Umgang mit dem Forum, und die Videos, die Du zusammen mit Smatjes gemacht hast, sind absolut top! Ich habe bei youtube (international!) nach ähnlichen Videos gesucht, aber nichts gefunden, was dem auch nur nahe kommt! Von daher wage ich es einfach mal zu behaupten, dass Du einen sehr bemerkenswerten Beitrag für alle Saxschrauber lieferst. (Und ich glaube, ich kann es beurteilen, denn ich bin seit vielen Jahren in so einigen Foren (Foto, Uhrenschrauben) unterwegs und habe so einige Vergleiche). Hast Du Dir mal überlegt, ein Buch zu schreiben?

Was mein Sax anbelangt: ich werde Deinen Antwort morgen ausführlich und in allen Details studieren und überlegen, was ich umsetzen kann, und was ich in Auftrag geben muss :) Auf jeden Fall geht es weiter.

Grüße,

HiJoe
Letzte Änderung: 12 Feb 2012 01:34 von HiJoe.
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Re:Versuch der Überholung eines C-Melody 12 Feb 2012 13:24 #106954

  • HiJoe
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Einen Schritt zurück.

Angeregt durch Tokos ausführlich Antwort bin ich nochmal in mich gegangen und habe mir alles am Sax nochmal genau angesehen. Hier das ernüchternde Ergebnis.


1. Polster
Gestern ist mir zum ersten mal so richtig aufgefallen, dass die kleinen Polster eher zu dick und die großen eher zu dünn sind. Ist ja auch klar, da das Leder auf der Rückseite der kleinen Polster mehr Falten wirft. Ich habe mir das heute aber zum ersten mal im Vergleich angesehen, und bin schon etwas überrascht über den deutlichen Dickenunterschied:

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Von hinten:

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2. Tonlochkamin
Das Thema hatte ich bisher mal komplett aussen vor gelassen, in der Hoffnung, das wäre nicht so wichtig. :blink:
Um die Planheit der Tonlochkamine zu überprüfen, habe ich mir ein kleines Stück Laminat zurecht geschnitten (das war das glatteste, was ich in meiner Wohnung finden konnte), und mal auf einen Tonlochkamin gelegt.
Hier das Setup :laugh: :

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Und hier das Resultat für diesen Kamin :( :

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3. Achs-Spiel
Da ich die rechte Hand sowieso provisorisch eingebaut hatte, habe ich mir mal das axiale und radiale Spiel angesehen, und JA, es ist da. :blink:
Hier mal eine Lücke zwischen Säulchen und Achse:

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OK, also zurück marsch marsch, dieses Sax schont mich nicht. (Doch, es hat zumindest keine Beulen :) ). Offenbar brauche ich jetzt eine Einziehzange und etwas, um die Tonlöcher plan zu feilen (evtl. ganz feines Schmirgelpapier auf das Laminat kleben?)

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Letzte Änderung: 12 Feb 2012 22:56 von HiJoe.
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Versuch der Überholung eines C-Melody 12 Feb 2012 14:15 #106959

  • ophon
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@HIJOE,

du machst das so perfekt, dass ich mich dazu äussern will - gute Denkweise und vor allem Schritt um Schritt ohne EILE!

Ob ich ein Foto einstellen soll eines alten Pad ? = genäht??

Auf der anderen Seite hab ich mich schon gefragt, ob das Ganze nicht ein Lehrbeitrag wird, der geschickt aufgebaut wird. Die Beantwortung dieser Überlegung/Annahme ist nicht so wichtig, da wir, die User, davon profitieren.

Die Bereitschaft von Toko (als Unternehmer) finde ich ebenfalls bemerkenswert - auch hier ein Chapeau nach Pinneberg.

Auch Herr Wuffy ist freizügig mit seinen Tipps (und argumentativ!!) - auch hier ein Dankeschön.


Liebe Grüsse
Ophon - mit jede Menge Sax
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Versuch der Überholung eines C-Melody 12 Feb 2012 14:42 #106960

  • Toko
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Hi,

nur mal kurz zwischendurch....

Du kannst das Tonloch nicht nur planfeilen/schleifen. Daz ist das zuviel. Du verlierst ca. 1/2 mm (geschätzt nach dem Foto) an Tonlochkaminhöhe. Dadurch wird sich das sehr negativ auf die Intonaion auswirken. Sobald das dann mehrere Tonlochkamine betrifft, darf man sich dann am ende nicht wundern, wenn man alle planfeilt und die Intonation in sich nicht mehr stimmt.
Hier muss zuerst von innen die tieferliegenden Bereich nach oben gedrückt/gekopft werden, bis man das Tonlochkamin nahezu auf einer Ebene hat. Wenn nötig, kann man dann noch mal mit Schmirgel auf glatter Fläche nachgehen. Ich rede hier von einer Körnung 600 - 1000 Schmirgel.

Die unterschiedlich dicken Polster sind fatal. Ein gut solides gebautes Instrument braucht überall gleiche Polsterdicke und die Polster gucken auch gleichweit aus dem Deckel heraus.
Sicherlich gibt es bei den alten Kannen immer weider Ausnahmen, aber sie sind meist nicht die Regel.

Auf dem Bild ist das Spiel kaum mit einer Einziehzange zu richten. Hier gibt es verschiedene Alternativen, die aber wiederum nicht wahllos sondern gezielt anzuwenden sind.

1.

Das Säulchen muss erst mal wirklich gerade stehen. Damit meine ich, dass die abgefräste Fläche an der das Röhrchen anliegt im 90° Winkel zum Korpus stehen muss.
Ist das nicht der Fall muss das Säuclehn gerichtet werden. Lässt sich übrigens bei Achsen auch gut prüfen, wenn man diese ohne Mechanik in die Säulchen schiebt und das Gewinde perfekt auf das Säulchen mit dem Innengweinde trifft.

2.

Einziehen kann man, wenn die Säulchen stimmig sind und das achsiale Spiel nicht zu stark ist. Hier ist ein Bereich von 3/10 - 5/10 mm machbar.

3.

Zwischenscheibe anfertigen und anlöten. Früher haben wir dünne Zwischenlegscheiben nur eingesetzt. Mittlerweile sind wir dazu übergegangen diese grundsätzlich anzulöten. Hier wird also eine Messingscheibe mit dem entsprechenden Außendurchmesser und Innendurchmesser angefertigt, die die Lücke zwischen Röhrchen und Säuclhen, bzw. Röhrchen und Röhrchen ausfüllt. Diese löten wir dann mit Zinn an und reiben die Bohrung wegen der Lötrückstände noch einmal auf. Damit ist das zu kurze Röhrchen perfekt verlängert und die Klappe lässt sich wieder anstandslos einpassen. Zu empfehlen, wenn größeres achsiales Spiel vorhanden ist.

Soweit erst mal....

Gruß,

ToKo
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