Liebe Gemeinde,
wer mich kennt weiß, dass ich ein absoluter Unterstützer von "Hobbiereparateuren" bin und sonst auch niemals die Videos gemacht hätte. Ich finde es immer unterstüzenzwert, wenn Spieler sich auch mit der Technik des Instrumentes auseinandersetzen und daher will ich nun auch hier gerne noch einmal eingreifen und ansetzen.
Wenn ich dann im folgenden auch kritische Äußerungen anbringe bitte ich diese nicht Mißzuverstehen. Ich vberstehe den Unterschied zwischen Profireparateuren und Hobbiereparateuren, aber es gibt eben auch Dinge die auch
nicht bei Laien gemacht werden sollten, damit das Ergebnis am Ende möglichst positiv ist und vor allem
bleibt.
Ich hätte nicht gedacht wir lange es dauert diesen Thread komplett durchzulesen, aber es ist vollbracht

und nun liegt hier vor mir eine Liste mit Punkten die ich gerne abarbeiten möchte und werde. Allerdings ist vieles schon in den Videos gezeigt, darum werde ich mir hier nur nochmal die Wesentlichen Punkte rauspicken und am Ende noch einen Vorschlag machen, der sicherlich für viele sehr interessant sein könnte. Vorasustzung ist, dass Smatjes da mithilft und das ganze angeht.
Erwähnen möchte ich noch, dass ich es immer wichtig finde, sich gerade beim ersten Versuch an einem Saxophon ran zu wagen, was im schlimmsten Fall nicht den Ruin bedeutet, wenn dann am Ende nichts mehr geht

.....
Ziel sollte sein, dass Sax nicht nur spielbar zu bekommen, sondern auch so vernünftig herzurichten, dass es am Ende auch nicht nur für kurze Zeit spielbar ist sondenr auch der Verschleiß nicht schneller entsteht als es sein muss. Da werde ich noch mal auf das Biegen darauf zu sprechen kommen.
Verrostete Achsen und Spitzschrauben:
Bewährt hat sich hier ein Mechaniköl zu nehmen und die Klappe leicht zu erwärmen, auch ein 2 oder 3maliges Erwärmen hat hier meist zu Erfolg geführt.
Unterschätz wird hier jedoch meist eines, einen absolut perfekt passenden Schraubendreher. Bei Hartnäckigen Verrostungen schleifen oder feilen wir unsere Schraubendreher immer für die jeweilige Achse oder Schraube passend. Der Schraubendreher muss stramm bis an den Boden des Schraubschlitzes passen und darf in der Nut nicht wackeln. Nur so lässt sich ein Maximum an Drehkraft aufbauen. Man wird erstaunt sein, wieviel festsitzende Achsen/schrauben sich nur durch einen richtig passenden Dreher noch so lösen lassen. Wegen des erhöten Druckaufwandes ist allerdings im Falle eines Abrutschens immer auf Verletzungen Acht zu geben. Auch die Säulchen müssen auf einer Unterlage aufliegen, damit man sie bei diesem Vorgang nicht verbiegt.
Zentriertheit der Deckel auf den Tonlochkaminen:
Im gewissen Sinne ist es hier meist Kosmetik, die uns natürlich sehr wichtig ist, aber generell nicht von technisch hoher Bedeutung ist, wenngleich es auch Ausnahmen gibt. Aber wenn ich das Sax schon komplett zerlege und neu Aufbaue, dann können solche Dinge, wenn sie denn vorkommen, gleich verbessert werden. Das Auge spielt ja mit
Federn:
Da die Federn jetzt eh alle raus sind und so wie sie auch aussehen, da kann man sie auch gleich alle neu machen, die Kosten nicht die Welt und eine neue Feder anpassen wird unaufwendiger als alte wieder neu einrichten.
Wie schon erwähnt wurde schneiden wir die Federn kurz vor dem Säulchen ab und drücken sie dann mit der Spezialzange raus. Hier gibt es sicherlich Alternativen zu unseren Werkzeugen. Aber ich würde einen Vernünftigen Seitenschneider nehmen, dann ist es spielend leicht Federn bis 1,6 mm mit einer Hand abzuschneiden

. Federn bekommt man übrigens ab 0,4mm bis 1,6mm.
Ist eine Federlochbohrung zu groß gibt es verschiedene Möglichkeiten dieses zu bearbeiten. Die Aufwendigste wäre eine Art Norton Spring zu bauen, ist aber eher für Profis.
In Deinem Fall würde ich dazu raten eine Messingstange zu nehmen und diese einzulöten. Die Federlochbohrung würde ich nur soweit aufarbeiten, bis die Bohrung sauber, glatt und gleichmäßig ist und genügend Material zur Außenfläche des Säulchens übrig bleibt. Die Messingstange dann vom Durchmesser runterarbeiten und etwas mit Überstand einlöten. Sicherlich wäre es am idealsten, wenn es sich mit gängigen Normmaßen machen ließe.
Sehr von Vorteil wäre es in das Messingröhrchen von vorherein eine kleine ca. 1,5 - 2 mm Bohrung zentriert einzubohren. Dann das Röhrchen mit Überlänge einlöten, abfeilen und dann entsprechend dem was benötigt wird das Loch des Röhrchens auf Federmaß aufbohren. Bei einem Gis Drücker zw. 1,2mm - 1,4 mm. Bei Deinem Modell sollt es wohl eine 1,4mm sein müssen.
Ein Vollmaterialröhrchen einlöten und dann am Sax aufbohren, dass geht zwar auch ist aber wesentlich schwieriger.
gerissene Klappe:
Auch hier ist es im Endeffekt Komsmetik, wenn die Klappe an sich fest ist. Anonsten würde ich das mit Hartlot bearbeiten und neu anpassen. Man kann es natürlich auch mit Zinn auffüllen, ich würde es dann aber eher gleich richtig machen.
kleines Tonloch an der Korpus Rückseite:
... nennt man Eb Triller Klappe. Sie trägt den Namen aus bestimmten Grund

und wir lassen sie auch immer aktiv. Es gibt als Sonderwünsche, die das nicht möchten, wir haben aber die Erfahrung gemacht, dass hier auch die Intonation besser ist, wenn sie aktiv bleibt.
Reinigung/Politur:
Ich verwende heute bei versilberten Instrumenten nach Möglichkeit nur noch eine spezielle Silberseife, die die Oberfläche nicht angreift und dem Instrument einen Schutz bietet. Hierbei handelt es sich um eine spezielle Kalk-Laugen Mischung.
Nur bei extrem hartnäckigen Fällen gehe ich mit einem Silberbad ran. Eine Politur mit Unipol führe ich hingegen
nicht mehr durch. Sollte ich mit Silberbad arbeiten, dann wird das Instrument im Anschluss mit der Silberseife nachgereinigt. Folgend ist dann nur noch ein abreiben mit einem sauberen Tuch nötig.
Silberputztücher empfehle ich in der Regel zu vermeiden. Je nach Art und Weise können diese für die Versilberung eher einen nachteiligen Effekt haben.
Führung für Röhrchen:
Hier bietet sich an, ganz glattes Katalogpapier einzukleben, da es eine ideale glate Oberfläche hat. Diese dann noch leicht mit Öl benetzen und gut ist.
Achtung ganz wichtig
Vorraustzung um am Ende ein wirklich gut spielendes Sax zu haben was auch lange so hält sind einige Punkte besonder wichtig, die ich jetzt aufzähle. Diese Punkte sind das A und O. Wenn man diese nicht penibel beachtet, braucht man gar nicht erst mit der Polsterung anzufangen.
Ich werde jetzt auch nicht über die Reihenfolge wann wir was machen etc. schreiben. Das kann man auch ganz anders machen aber es sollte unbedingt folgendes beachtet werden:
1.
Es darf in der Mechanik weder readiales noch achsiales Spiel sein. Kleinste Mißachtungen bringen meist großen Ärger beim bepolstern mit sich.
Unterschätzt wird hier häufig das Spiel im Säulchen selbst, schaue ich mir bei Deinen Bildern zum Beispiel auf Seite 15 Bild 1 + 2 + 3 an, dort siehst Du immense Lücken zwischen Säulchen und Achse.
In Verbindung mit den härteren Polstern wird Dich das beim bepolstern wahnisnnig machen, sorry, wenn ich Dich hiermit frustriere, aber eigentlich will ich Dich motivieren in der Hoffnung, dass Du dran bleibst.
2.
Das Tonlochkamin sollte unbedingt gerade sein, auch hier wirst Du sonst mit dem Polstermaterial was Du da hast immense SChwierigkeiten bekommen. Bitte auch nicht planlos plan schleifen. Die Basis sollte hier mit ausbeulen geschaffen werden und nur im schlimmsten Fall minimale Verbesserungen über das Tonlochkamin von oben durchgeführt werden.
Der Deckelrand einer jeder Klappe, in der das Polster sitzt muss plan sein, wenn diese Vorausstzung nicht steht, wird das Polster auf Dauer an verschiedenen Stellen unterschiedlich stark gedrückt und Du wirst fluchen beim bepolstern und nach kurzer Zeit schon wieder undichte Polster bekommen. Das wäre einfach schade, wenn Du schon den Aufwand betreibst.
3.
Die Achsen müssen richtig sauber laufen. Kleine Hemmungen in der Bewegung zahlen sich doppelt und dreifach schlimm aus, wenn das Sax komplett montiert ist und mehrere Klappen gleichzeit aufeinander einwirken.
4.
Die Säulchen, besonders der rechten und linken Hand, müssen sauber in der Flucht stehen, damit die Mechanik später einwandfrei funktionieren kann.
Dieses sind die wichtigsten Voraussetungen, um überhaupt erst in die Bepolsterung zu starten. Es sind im Endeffekt ganz simple und natürliche Dinge, die aber gerade bei Vintagesaxophonen unterschätzt werden und daher oft auch bei Profis zu einem nicht immer besten Ergebnis führen.
Kommen wir zum
Biegen von Klappen:
Warum ich mich dagegen so gewehrt habe ist, dass genau mit dieser Methode oben aufgeführte Vorausetzungen entgegen wirken.
Wichtig ist hier, dass man sich im klaren ist, dass die Deckelteller an einem kleinen Punkt über einen Arm gelötet sind, der dann wiederum in Verbindung mit dem Röhrchen ist durch das die Achse läuft und hier wiederum am Säulchen den Kontakt hat.
Wenn ich also bei einem zu dicken Polster ein Blech unterlege und biege, wird sich unweigerlich der Deckelrand verziehen/verformen, somit also uneben werden. Das Polster was nun in einem schiefen Deckelboden liegt, wird auf dem Rand des Tonlochkamins wieder unterschiedlich stark beansprucht. Dies führt dann unweigerlich wieder deutlich schneller zu Undichtigkeiten. Es ist hier nicht zu unterschätzen wie "weich" dann doch das Material auch bei massivem Gestänge ist.
Oft passiert es dann auch das Röhrchen leicht verziehen und Mechaniken auf den Achsen zwar immer noch laufen, aber irgendwie doch so einen Hauch Hemmnis aufweisen.
Zudem besteht die Gefahr, dass letztendlich sogar Säulchen durch die Hebelwirkung verziehen und in der linken und rechten Hand dann nicht mehr in der Flucht stehen.
Ich gehe nun nicht davon aus das hier mit größtem Kraftaufwand gebogen wird, nein, es reicht je nach Sax schon auch leichter Kraftaufwand
und genau das ist, warum ich mich wehre, das Mechaniken gebogen werden. Das hat dann auch nichts mit Profi- oder Hobbiereparateur zu tun, sondern es ist grundlegen falsch!
Einen weiteren Nachteil durch das Biegen hat man am Ende beim einstellen der Klappenaufgänge. Bei Vintagesaxophonen ist oft nicht viel Spielraum beim unterkleben von Aufschlagkorken. Biege ich den Deckel also bei einem zu dicken Polster runter, fehlt mir im schlimmsten Fall am Ende der Spielraum zwecks Intonation den bestmöglichen Aufgang zu bekommen. Es stimmt einfach nicht, wenn man schreibt C-Mels wurden nicht mehr gebaut weil sich schlecht intonierten. Die Intonieren genau so gut/schlecht wie andere Saxophone, nur muss man sie richtig überholen, um das bestmöglichste Ergebnis zu bekommen und Ausreißer hat man auch beim Alt oder Tenor

...
Polster:
Hier sind tatsächlich Polster zu wählen, die von der Dicke dann die richtige Vorausstzung bieten. Hier hat so jeder seine Vorlieben und Erfahrungen, da könnte man jetzt tausende Meinungen anhören.
Meine Empfehlung ist seit Jahre Pisoni DeLuxe. Je nach Resonator sind das die DS-110 oder DS-112.
die weißen von Musicmedic verwende ich nicht weil der Filz zu hart ist und sich zu schnell verändert, dass Sax daher schneller wieder undicht wird. die Erfahrungen weiß ich mittlerweile auch von anderen Saxdocs, ich hatte mich von Anfang an gegen diese Polster gewehrt. Schade eigentlich, denn das Leder an sich ist das beste was es gibt.
Prestini verwende ich nicht, da mir das Leder zu Porig ist. Da soll es aber neue geben, die schaue ich mir auf der Messen an.
Schwarze gibt es auch von Pisoni, die verwende ich auch nicht, denn diese kleben wie Hölle, schlimmer hab ich es noch nicht erlebt.
So meine Erfahrungen.
Reihenfolge Zusammenbau:
Wir beginnen immer mit der rechten Hand, die Maßstab für alle anderen Aufgänge ist. Hier ist es aber eben auch die Erfahrung, die uns von vornherein beim bestimmen hilft. Anhand der rechten Hand ergibt sich dann auch der Aufgang der Gis Klappe die dann folgt. Weiter geht es über die linke Hand, Palm Key, Oktavmechanik. Seitentriller über das Knie bis zum Becher am Ende. Bei vorhandener Eb Triller Klappe wird diese gleich mit der rechten Hand zu Beginn angepasst.
Wenn die Grundlegenden 4 Punkte und das richtige Polstermaterial gewählt ist, dann ist auch die Vorrausstzung für die Bespolterung ansich geschaffen, damit man das Polster mit leichtestem Fingerdruck zum decken bekommt.
Hier ist darauf zu achten, dass das Polster an sich so im Deckel sitzt, dass es über all glich dick aus dem Deckel heraussteht und dann auch von allen Seiten betrachtet eben auf das Tonloch auftrifft. Das wäre das perfekt Maß.
Dann erübrigt sich auch die Frage nach dem Unterarbeiten von Karton unter dem Polster. Das ist absolut unnötig und zeugt von einer nicht sauber ausgeführten Vorarbeit.
Wenn Du soweit bist, dass Du Polsterst werde ich noch mal etwas zum bekorken, befilzen und Papier schreiben.
Wsa ich Dir nun verfasst habe, soll Dich motivieren weiter zu machen und nicht demotivieren. Und wenn nötig werde ich gerne helfen. Aber bitte nicht ungeduldig sein, mein Job hier im Laden geht vor und ich kann mir nicht jeden Tag so viel Zeit wie heute nehmen, wenngleich ich durch diesen Thread motiviert bin mal wieder aktiver in der Saxwelt zu werden

, danke dafür .....
Daher noch zum Schluß folgendes. Ich werde in Kürze zwei Threads aufmachen in denen es um Werkzeugbau geht und spezielle Problembewältigung bei der Reparatur. Da werde ich mit Euch Ideen sammeln und dann wird es glaube ich Zeit mal wieder eine Videosession zu machen. Da wir in der kommenden Woche eh wieder neu ausbilden wird wieder einiges an Werkzeug gebaut werden. Das würde doch passen.....
Also bis die Tage und nein, ich lese jetzt nicht auf Fehlerkorrektur
Gruß,
ToKo