Oscar Adler & Co

Eine heute für den Saxophonbau völlig unbedeutende Firma stellte 1901 in Markneukirchen das erste Saxophon auf deutschem Boden her. Die Firma Oscar Adler! Sie war es, die als erstes ein solches Saxophon herstellte.

Franz Oscar Adler, geboren 1862 in Hermsgrün, gründete 1885 seine eigene Holzblasinstrumentenbaufirma und zog 1895 in die Bergstraße 14 in Markneukirchen. Hier wurden neben Querflöten, Oboen und Fagotten zunächst hauptsächlich Klarinetten hergestellt. Erst 1901 folgte dann das erste Saxophon. Basierend auf einer Leihgabe des Musikinstrumentenmuseums entwickelte man das erste eigene Saxophon. Dies war ein 1889 hergestelltes Tenorsaxophon von Gautrot-Marquet aus Frankreich. Oscar Adler war damit der erste Hersteller von Saxophonen in Deutschland. 1896 stieg Hermann Fürchtegott Jordan als finanzstarker Partner in die Firma Oscar Adler & Co ein. Die Produktion konnte erweitert werden und die Mitarbeiterzahl stieg weiter. Oscar Adler gehörte zu den größten Musikinstrumentproduzenten aus dem Bereich Holzblasinstrumente.

Bereits von Beginn an exportierte Oscar Adler den größten Teil der Saxophonproduktion in die USA. So konnte man die Zahl der Mitarbeiter bis 1904 auf 50 steigern.

Unregelmäßigkeiten im Bereich Finanzen führten dazu, dass Franz Oscar Adler aus der Firma ausschied und so ab 1909 die Familie Jordan das Unternehmen Oscar Adler & Co allein weiterführten. Bis 1914 expandierte die Firma weiter und musste dann mit Beginn des 1. Weltkrieges den Export einstellen. Man nutze die schwierige Zeit, um an neuen Instrumenten zu arbeiten.

So flutete man nach dem Weltkrieg den Markt quasi mit neuen Konstruktionen. Klarinetten baute man aus Holz, Metall und Gummi, als Boehm oder Deutsche Ausführung. Es kam mit der Marke Sonora eine Klarinette mit Saxophonfingersatz, ebenfalls Boehm und Deutsch, sowie einer Saxophonoboe, welche aus Grenadill und Holz gefertigt wurde, auf den Markt. Man fertigte Saxophone, die in Rücksicht auf die Fingerverletzungen der Soldaten an deren Handicaps angepasst wurden. Die Modelle Gloria, Eterna, Sonora und Triumph wurden auch für einhändige Spielweise auf Bestellung gefertigt. Die Serien der Saxophone wurde auf unglaubliche 11 Serien erweitert.

Ocu, Relda, Odeum, Orfeon, Electra, Racso, Symphonie, Gloria, Eterna, Sonora, Triumph. Aufgrund der unterschiedlichen Kataloge ist zu sehen, das die Reihe Eterna in 11 Bauweisen gefertigt wurde. Eb Sopranino, C-Sopran, Bb Sopran, Bb gebogenes Sopran, Alto, C-Melody, Tenor, Bariton, C-Bass, Bb-Bass und Eb Contrabass. Insgesamt fertigte man 96 unterschiedliche Saxophone. Nimmt man die unterschiedlichen Finishes noch dazu, dürfte sich diese Zahl noch vervielfältigen. Einige Serien wie Gloria und Symphonie, sowie Odeum, Orfeon und Electra waren jedoch baugleich und jeweils nur für den Export gefertigt.

Oscar Adler & Co waren damit Marktführer im Bereich Saxophone, doch dies sollte sich nun ändern. 1920 begannen Max und Julius Keilwerth als Mitarbeiter für die Firma Oscar Adler & Co in Heimarbeit Saxophone zu bauen und verließen die Firma nach nur 5 Jahren wieder. Julius Keilwerth gründete 1925 seine eigene Saxophonfirma im nahegelegenen Kraslice, welches nun in der nach dem Krieg gegründeten Tschechoslowakei lag. Diese neue Firma "Julius Keilwerth Saxophone" und die bereits früher gegründete Firma Kohlert & Co fertigten nun ebenfalls Saxophone im großen Rahmen. Oscar Adler & Co verlor mehr und mehr Marktanteile.

Mit dem zweiten Weltkrieg und der anschließenden Teilung Deutschlands in Ost und West, lag die Produktion bei allen Herstellern darnieder. Keilwerth ging nach Nauheim und Kohlert & Co begann in Winnenden neu. Oscar Adler & Co wurde 1959 dann in die VEB Blechblas- und Signal-Instrumenten-Fabrik eingegliedert, der man, wie nahezu alle Instrumentenfirmen, vorher schon angeschlossen war. Hier blieb lediglich die Marke Sonara übrig, unter der zwar noch Saxophone hergestellt wurden, welche aber in keinster Weise konkurrenzfähig waren. 1966 stellte man die Produktion von Saxophonen dann endgültig ein. 1972 dann wurden die allerletzten Reste Oscar Adler's auch offiziell geschlossen und gingen in die VEB Sonora über. Hier wurden dann lediglich noch Oboen und Fagotte gefertigt.

Mit der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten 1990 und der Rückführung der Besitztümer, nahm man gemeinsam mit den Gebrüder Mönnig in der neuen Holzblasinstrumentenbau GmbH die Produktion von  Fagotten und Klarinetten wieder auf. 2001 verließ man die Firmengebäude in der Bergstraße und zog gemeinsamen in die Pestalozzistraße. Hier werden in reiner Manufakturarbeit  Oboen, Klarinetten, Bassklarinetten, Fagotte und Kontrafagotte unter dem Label "Oscar Adlers" gefertigt. Ebenfalls ab 2001 nutzte man wieder den Namen Oscar Adler & Co im Firmennamen und firmiert seit dem unter Gebrüder Mönnig - Oscar Adler & Co. Holzblasinstrumentenbau GmbH.

Saxophone stellt man leider nicht mehr her.

Zuletzt aktualisiert am Montag, 16. Juli 2012 19:23

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