Vorwort

Liebe Saxophonistinnen, liebe Saxophonisten,

zum Saxophonspielen gehört nicht nur sein Instrument spielerisch zu beherrschen, vielmehr sollte auch ein gewisser Erfahrungsbereich im Umgang und der Pflege seines Instrumentes dazu führen, Reparaturen und Verschleißerscheinungen hinauszuzögern. Für die mutigeren und handwerklich geschickten Spieler kann weiterhin auch Eigeninitiative durch Reparaturen dem Gang zum Instrumentenmacher für gewisse Zeit vorbeugen.

Ich werde in den folgenden Abschnitten Erklärungen und Hilfestellungen geben,

  • was ein jeder seinem Instrument an Pflege gönnen sollte,
  • wie man Fehlerquellen herausfinden kann,
  • wie man diese selbst beheben könnte,
  • und für die ganz Mutigen eine Beschreibung einer kompletten Generalüberholung

Ob es nun um die Pflege, NotReparaturen oder um eine Generalüberholung geht, wichtig ist, sich Zeit dafür zu nehmen, wenn man sich die ersten Male vertieft mit der Materie beschäftigt.

Man stelle sich vor, kurz vor einem Auftritt streikt das Instrument. Wenn nicht schon zuvor einige Handgriffe geübt wurden, dann wird es kurz vor dem Auftritt durch die Nervosität oder der Anspannung eher zu weiteren Schäden kommen als zur Abhilfe durch einen geübten Handgriff.

Eines möchte ich aber deutlich hervorheben. Ich werde hier keinen Onlinekurs zum Instrumentenmacher abhalten können. Nicht umsonst wird man in drei lehrreichen Jahren zum Holzblasinstrumentenmacher ausgebildet.

Weiterhin sindmeine Vorschläge und alle Tips nicht als das einzig Wahre im Bereich Reparatur anzusehen. Meine Erklärungen und Vorschläge sind für mich und nach meiner Erfahrungssammlung der beste Weg geworden. Aber wie bekannt führen viele Wege nach Rom. Zudem entwickelt, wie beim Saxophon spielen der Musiker, auch der Reparateur auf die Jahre seinen eigenen Stil.

All meine Beschreibungen sollen eine Hilfe, eine Richtung geben und werden somit für den ganz Unerfahrenen sicherlich eine gute Unterstützung sein.


DSOGÜS

 

Das Saxwelt-Onlinegeneralüberholungssaxophon DSOGÜS eben!

Ich habe mal vorab eine kleine Bestandsaufnahme der Defekte gemacht und wir stellen euch das Sax somit erstmals vor. Eine reine Katastrophe!

Premier American ein Buescher Stencil aus den Anfängen der 30er Jahre. Versilbert und in absolut desolatem Zustand.

 

1. Schraube zum einspannen des S-Bogen fehlt

2. Die Ergonomie für den linken kleinen Finger ist kaum mehr zu verantworten

3. Da oben alles sooo verbogen, öffnet die Trichterklappe unten links im Bild nicht.

4. Klappenkäfig unten ist ab. Zum Glück haben wir das Originalteil


 

 

Achtung Gefahren!

Wann immer ein Saxophon auseinandergebaut wird, sollte das Auge stets auf die Hände gerichtet sein, was die gerade anfassen und basteln.

Egal an welcher Stelle der Reparatur Ihr ankommt, es können stets unangenehme Verletzungen entstehen.

Hier werde ich die häufigsten Gefahren auflisten:

ACHTUNG! Weder der Autor noch Saxwelt übernehmen irgendwelche Haftung für jedwede Schäden z.B am Saxophon, Personenschäden oder Verletzungen jedweder Art die durch die Anleitungen direkt oder indirekt entstehen oder entstehen könnten.

  • Federn: Sobald die ersten Klappen vom Korpus entfernt sind, liegen auch die ersten Federn frei. Also Vorsicht mit den Fingern, beim Anfassen des Korpus. Besonders dann, wenn weitere festklemmende Klappen mit einem plötzlichen Ruck gelöst werden und schwups, hat man die erste Feder in der Hand stecken.
  • Auch beim Entfernen von Federn aufpassen, dass diese nicht in die Augen springen.Wenn Korpus und Knie gelöst werden, liegen die untersten zwei Federn der C/Es Klappen frei. Diese bleiben gerne mal im Bein hängen, wenn der Korpus darauf abgelegt wird.
    Kleiner Tip:
    Auf frei liegende und weit abstehende Federn etwas Kork stecken, dass die Spitzen zu keinen Verletzungen mehr führen können.

 

  • Erhitzte Klappen: Beim Erhitzen der Mechanikteile (Beispiel: Einsetzen der Polster mit diversen Mitteln), die Klappe möglichst am entferntesten Punkt festhalten. Diese können sich stark erwärmen. Besonders aufpassen bei besonders kleinen Klappenteilen.

 

  • Polsterklebemittel: Vorsicht beim Erhitzen von Polsterklebemitteln. Tropft zum Beispiel etwas Siegellack oder Heisskleber auf die Hand, wird es wirklich sehr unangenehm.

 

  • Schraubendreher: Bei festsitzenden Achsen und Schrauben, die mit mehr Kraftaufwand gelöst werden müssen, sollte die freie Hand nicht unmittelbar dahinter Euer Saxophon festhalten. Wenn Ihr abrutscht, landet der Schraubendreher in der Hand, und auch das wird unangenehm wehtun.

 

  • Lötarbeiten: Immer schön achtgeben, wo sich die Lötflamme befindet. Bei diesen Temperaturen kann es schnell zu Brandverletzungen kommen. Auch die erhitzten Stellen an dem Instrument sollten nicht mit den Fingern angefasst werden, ehe das Material abgekühlt ist.

 

  • Rasierklingen: Wie auch bei anderen Schneidwerkzeugen können hier Schnittwunden durch scharfe Rasierklingen entstehen. Vorsicht bei der Handhabung, da diese kleinen Klingen nicht gerade besonders gut anzufassen sind. Diese Klingen auch immer etwas entfernt von anderen Werkzeugen legen, nach denen des öfteren gegriffen wird.

 

Das sind die schlimmsten Gefahren, die beim Reparieren von Saxophonen auftreten können.

Geht mit Ruhe, Geduld und Zeit an die Reparatur heran. Achtet immer genau darauf, was Ihr gerade macht, und dann wird es auch zu keinen Verletzungen kommen.





 

Einkaufsliste zur Generalüberholung.

Diese Werkzeug- und Zubehörliste ist ein Vorschlag, muss also nicht zwingend eingesetzt werden, hat aber nützlich Dienste erwiesen. Einige Teile können wir euch direkt anbieten. Fehlen welche, dann sagt uns Bescheid.

Wichtig ohne dies Werkzeug/Zubehör wird es nicht gehen.
Naja, es geht auch mit was anderem aber dies hier hat sich sehr gut bewährt
Federhaken zum ein- und aushaken der Federn. Zur Not geht auch ein Schraubenzieher oder eine Häkelnadel. Direkt zu beziehen bei Toko € 6,50 oder evtl. bei eurem Saxdoc.
Lötlampe zum erhitzen der Klappen um die Polster zu entfernen. Bei Toko € 15,60. Es geht auch ein Handbrenner aus dem Baumarkt. Achtung die werden sehr heiß und können nicht nur den Lack verbrennen.
Schlag- ,Bretteisen oder Brettamboss. Ideal um die Feder zu bearbeiten damit sie in den Böckchen halten. Alte Elektromotoren haben oft einen Eisenmantel der zwar nicht so gut geeignet, dafür aber günstiger ist. Bei Toko € 25,-- für einen 60 mm oder € 45,. für 80mm Block.
Hammer klein nicht zu schwer und einen Gummihammer. Beides im Baumarkt für ein paar Euro oder in euerer Werkzeugkiste. Bitte nicht den Lehmann nehmen.
Schraubendreher Einen so lang wie nur möglich, einen handlicheren. Evtl. weitere bei festsitzenden Achsen. Ich nehme die dünnen mit den roten Griffen. Bilder kommen noch. Kosten etwa € 3,- bis 4,-
Flaschenbürste für den Korpus evtl. eine kleine für den S-Bogen. Klobürste zur Reinigung des Bechers. Evtl. Kukident für hartnäckige Verkrustungen im S-Bogen. 1,- - 3,- Euro etwa.
Eine Flachzange um Achsen greifen zu können. Möglichst ohne Rillen. Wenn ihr das nicht bekommt, könnt ihr die Rillen abfeilen. Ist aber aufwändig. Mit Filz ordentlich abkleben geht auch.
Eine Kneifzange um die Federn abzuknipsen die getauscht werden müssen. Sollte jeder im Werkzeugkoffer haben sonst im Baumarkt mal vorstellig werden. Die haben so viele, die müssen die schon verkaufen.
Mobiler Arbeitsplatz (Toko Nachbau) mit zwei Schraubzwingen, Zapfen und Keilbrett. Am Zapfen aus Hartholz wird das Sax aufgelegt um es mit beiden Händen putzen zu können. Der Arbeitsplatz kann an nahezu jedem Tisch montiert werden und schont so die Mahagoniplatte. € 39,- über Saxwelt.
Ein im Schraubstock eingespannter Stoff leistet gute Dienste beim putzen der Klappen. Bei Einsatz des mobilen Arbeitsplatzes kann das Tuch aber auch in eine der Schraubzwingen eingespannt werden.
Um undichte Polster zu finden und die Dichtigkeit zu überprüfen gibt es auch als Lampe. Bei Saxwelt den Schlauch für € 16,90 (1Meter) € 21,90 (2Meter) nach Verfügbarkeit.
Schieblehre. Es muss nicht die Luxusausführung sein. Aus Kunststoff geht auch. Bei intensiverer Nutzung lohnt sich aber die Investition in eine Gute. 3,- bis gut und gern € 30/40,--
Tastenfilze, Bumpers, Kork, Rasierklingen, S-Bogenkork, Schrumpfschlauch Müssen angepasst werden. Zum zurechtschneiden die Rasierklingen. Alles in ausreichender Menge stellt euch Toko gern in einem Paket zusammen zu € 12,90. Bumpers und Anschlagfilze je im 10er gibt es für je ca. 6 - 7 Euro im Saxladen. Eine Korkplatte je nach Größe liegt bei ca. € 11,--, Rasierklingen bei ca. € 2,--, Schrumpfschlauch bei ?
Pattex Kraftkleber Classic. Leider muss der verdünnt werden und dieser Verdünner ist so teuer, das wir euch lieber einen dickflüssigen Cork Cement zu ca. € 6,-- pro Tube empfehlen. Gibt es beim Saxdoc
Heißkleber Wir kleben in der GÜ mit Heißkleber. Baumarkt, Es geht auch Schellack oder Siegellack kost ca. €6 pro Stange. Eine ca 15 cm lange sollte reichen.
Sonstiges Küchentücher, Sidol, eine Zahnbürste "mittel" zum putzen. Gut ist auch eine Geschirrspülmaschine. Genug Stoff ohne Saum zum polieren.
Polster Die müsst ihr später ausmessen und kaufen entweder bei eurem Saxdoc oder im Internet.
Einen Holzblasinstrumentenmachermeister mit Fotografen. Den Holzblasinstrumentenmacher um Fragen zu stellen den Fotografen und Filmer um Bilder anzufordern. Holzblasinstrumenten-machermeister braucht den Fotografen zusätzlich noch für Handlangerdienste.

 


So meine lieben Azubis dieser SOGÜ (SaxophonOnlineGeneralüberholung) :-), dies ist der erste Teil, den ich nutzen möchte, um noch einmal ein paar klärende Worte an euch zu richten.

 

Ich bitte jeden eindringlich, den folgenden Text genau zu verfolgen, sich darüber Gedanken zu machen, um dann so richtig ins Eingemachte zu gehen.

Wir, das Team von Saxwelt, insbesondere aber Smatjes und ich, haben euch mehrmals darauf hingewiesen, worauf Ihr im Vorfeld zu achten habt und was Ihr besser gleich bleiben lasst. Das war und ist mir ganz besonders wichtig, damit es nicht während oder nach der GÜ zu unangenehmen Enttäuschungen kommt. Jeder Teilnehmer sollte sich darüber bewusst sein, dass das Ziel dieser GÜ ist, ein Sax wieder herzurichten und nach Möglichkeit spielbar zu machen, aber keiner von uns kann das garantieren. Darum sollen nur diejenigen mit einem günstig erworbenen Testsaxophon aktiv mitmachen. Euer zu überholendes Saxophon sollte nicht euer Hauptinstrument sein und auch keines, das einen hohen Wert hat. Die Gefahr, dass bei der GÜ etwas nicht funktioniert oder ganz und gar schief geht, kann zu groß sein, als dass es das Risiko wert wäre, euer teuer erworbenes Traumsax dafür zu opfern. Also verwendet bitte nur ein günstig erworbenes Testsax, bei dem es nicht weh tut, wenn alles schief gehen sollte. Natürlich ist es mein Ziel, mit euch einen erfolgreichen Abschluss zu schaffen. Die wichtigste Erfahrung aber, die ihr bei der GÜ sammeln werdet ist, eine gewisse technische Kenntnis über euer Instrument zu bekommen und diese in Notfällen oder ungünstigen Situationen anwenden zu können. Jeder, der es dann aber ganz schafft, sein Instrument zum laufen zu bringen, der darf dann schon mächtig stolz auf sich sein.GANZ

WICHTIG: Während der Überholung wird es immer wieder Arbeiten geben, bei denen ihr euch verletzen könnt. Darauf werde ich immer wieder gesondert hinweisen und jeden bitten, sich an meine Anweisungen zu halten!!!

Auch noch wichtig: Ich rate jedem ab, alleine voraus zu arbeiten. Nicht, weil ich es jemanden nicht zutrauen würde, aber mit einigen Tricks und Kniffs werde ich vielleicht den ein oder anderen Arbeitsschritt für euch erleichtern. Das kann auch für spätere Arbeitsschritte hilfreich sein.

Um den ungeduldigen von euch gleich etwas vorwegzunehmen: Ich lasse mir mit dieser GÜ sehr viel Zeit, damit jeder hinterherkommt. Bevor ich einen Schritt weiter gehe, sollen zuvor alle Fragen zum aktuellen Teil geklärt sein. Zusätzlich soll jeder auch die Zeit haben, eventuell weitere benötigte Materialien zu besorgen. Außerdem bitte ich jeden um Verständnis, dass ich natürlich meine Arbeit hier in meiner Werkstatt vorziehe und erst dann Saxwelt kommt. Ich muss davon leben und deshalb zuerst für meine Kunden hier in meiner Werkstatt da sein. Wenn der eine oder andere vielleicht zu einem bestimmten Thema mehr Fotos oder Videos wünscht, dann gebt bitte Bescheid. Smatjes und ich werden sowieso schon ausreichend für den visuellen Bereich sorgen, sind aber weiteren Bitten natürlich nicht abgeneigt. Wer auch immer nicht hinterherkommt und sich nicht traut das öffentlich zu schreiben, der schickt mir einfach eine Nachricht, ich behalte es für mich. Ansonsten sollten aber alle Fragen im Forum geklärt werden, damit andere auch etwas von den Antworten haben und mitlernen könnenDieses Thema ist für mich sehr wichtig und ich bitte nochmals jeden, genau zu überdenken, ob ihr dass richtige Sax für die GÜ gewählt habt.Wenn das der Fall ist, dann bleibt mir jetzt nur noch eines, meinen Azubis der SOGÜ zu wünschen: Viel Glück und Erfolg und auf spannende kommende Wochen ....Euer ToKo

 


 


Der Arbeitsplatz

Da wir uns nicht nur in den nächsten Tagen, sondern über einen doch weitaus längeren Zeitraum mit der Überholung des DSOGÜS beschäftigen werden, ist es wichtig, dass ihr euch einen Arbeitsplatz schafft, der nicht nach jeder Aktion wieder geräumt werden muss.

 Der Vorteil liegt darin, dass ihr bei jedem Weiterarbeiten gleich alles beisammen habt und auch wisst, wo es wie liegt. Weiterhin ist die Gefahr geringer, kleine, aber wichtige Teile beim Hin- und Hertransportieren zu verlieren.

Wenn also die Möglichkeit besteht, richtet euch irgendwo in Eurer Wohnung, in Eurem Haus oder wo auch immer einen bestehen bleibenden Platz ein.

So wie Ihr dann auch euer Werkzeug beisammen haben solltet, wäre es vorteilhaft, wenn ihr alle späteren Einzelteile des Saxophons geordnet beisammen haltet.

Daher kommen wir zu drei Dingen, die ihr euch nun noch fertig macht, bzw. besorgt:

1. Einen Karton für die Mechanik eures Saxophones

2. Eine verschließbare Dose für Kleinteile wie z. B. S-Bogenschraube etc.

3. Einen Holzblock mit Löchern

zu Punkt 3:

 Achtung: Beim Bohren der Löcher in den Holzblock besteht Verletzungsgefahr. Bitte konzentriert bei der Arbeit sein. Auf Finger und andere Körperteile achten, genauso auch auf eventuell herumfliegende Späne, die in die Augen gelangen können. Notfalls eine Schutzbrille aufsetzen.

Versucht, die Löcher in diesem Block wie auf der Abbildung anzuordnen. Die Löcher sollten mindestens einen Durchmesser von 2,2 mm haben, aber nicht größer sein als 2,5 mm. Die Löcher natürlich nicht durchbohren, denn dieser Block wird euer Achsenblock sein. Hierauf werdet ihr systematisch die Achsen beim Auseinanderbauen anordnen. Damit gehen sie nicht verloren und haben ihren festen Platz.

Sorgt für ausreichend Licht an eurem Arbeitsplatz und eine bequeme Sitzgelegenheit - ihr werdet Sie brauchen :-))).

Damit eine nun wahrscheinlich anstehende Frage gleich geklärt wird: Ab Teil III geht es dann um das Auseinanderbauen, aber Geduld, wartet bitte auf die Beschreibung. Jeder, der es nicht erwarten kann und Teil I noch nicht gelesen hat, sollte dies unbedingt noch tun.

Geplant ist Teil III zum Wochenende, damit ihr die ersten Tage gleich in Ruhe an euer Sax gehen könnt.

Ruhe, Geduld und Konzentration sollten für die anstehenden Arbeiten ganz groß geschrieben werden.

 

Zusätzliches Werkzeug oder Hilfsmittel

 

 

 


Na, wenn das nicht für sich spricht! Nun wissen wir wie es bei Toko aussieht.
Der Holzblock ... Wir haben da schon mal was vorbereitet, wenn er bestückt ist.


 

 

Ein Pfeifenreiniger, der wirklich gute Dienste leistet, um die Achsen auch von innen gut zu reinigen.

 

 


Ein vom Meister empfohlenes Reinigungsmittelchen für goldlackierte Saxophone.

 


 

 

 

Die Demontage

 

 Nun, jeder sollte seinen Arbeitsplatz mittlerweile eingerichtet und das entsprechende Werkzeug bereit liegen haben.

Für diesen Teil möchte ich noch mal auf folgende Gefahren hinweisen

 

Achtung: Beim abschrauben der Achsen nicht mit dem Schraubendreher abrutschen und in die Finger rutschen. Nachdem die ersten Klappen demontiert sind, liegen Nadelfedern frei. Daher gut auf die Finger Acht geben und auch auf die Beine, solltet Ihr Euer Saxophon auf die Oberschenkel ablegen.

Und natürlich nicht Eure Saxophone durch die Gegend werfen, wenn mal etwas nicht so klappt, wie Ihr Euch das vorstellt.

 

Mit der Zeit hat sich für mich eine gewisse Reihenfolge bei der Demontage ergeben, die ich Euch jetzt vorgebe. Folgend liste ich die Reihenfolge auf und werde dann unter der Liste auf verschiedene Themen eingehen, die für Euch wichtig sein können.

 

Achtung: Bevor Ihr die unten stehende Liste der Demontage abarbeitet, lest die darunter stehenden Tipps durch, da Ihr diese schon während des Auseinanderbauens anwenden sollt.

 

Anhand des Videos werden sicherlich einige Dinge für euch verdeutlicht werden. Da wir aber anhand des DSOGÜS die Überholung vorgeben, werden wahrscheinlich nicht alle Probleme angesprochen werden. Tritt in eurem Fall also nicht beschriebenes auf, dann wendet euch bitte ausschließlich über das Forum an mich, damit alle Teilnehmer aus den Problemen mitlernen können.

 

Reihenfolge der Demontage (ich versuche die Klappen so zu benennen, wie Ihr es versteht und nicht so, wie wir Instrumentenmacher die Klappen benennen):

 

  • Oktavklappe S-Bogen

  • Oktavhebel

  • Oktavdrücker

  • wenn die G-Klappe nicht in der linken Hand mit eingebaut ist, dann die G-Klappe

  • hoch E Seitentriller (wenn vorhanden auch hoch Fis Klappe)

  • linke Hand

  • Palm Keys

  • Verbindungshebel zum F Palm Key

  • Seiten B und C Triller

  • Seiten Fis Klappe

  • tief C und Es Klappe

  • je nach Bauart kommt nun entweder bei neuern Instrumenten tief B, H, und Cis Drücker, sowie der Gis Drücker, bei älteren Instrumenten kommt die tief Cis Klappe, der Gis Drücker und dann tief H, und B Drücker

  • rechte Hand

  • je nach Instrument wird jetzt die einzeln aufgehängte tief B-Klappe abmontiert

  • bei neueren die separate tief Cis Klappe


 Vor dem abmontieren sollte bei jeder einzelnen Klappe geprüft werden, ob sie mechanisches Spiel hat. Sprich, Ihr testet ob die Röhrchen der Klappen zwischen den Säulchen wackeln. Stellt Ihr dabei fest, dass mechanisches Spiel besteht, gibt es verschiedene Möglichkeiten dieses Spiel zu entfernen.

 

 

 Die einfachste Methode ist das richten des Säulchens. Das geht allerdings nur, wenn es sich nur um einen Hauch Spiel handelt. Anwendbar ist das dann bei Klappen, die von Achsen sowie von Spitzschrauben gehalten werden. Dabei klopft ihr dann das Säulchen mit einem Gummihammer, der die Böckchen nicht beschädigen kann leicht in die entsprechende Richtung, dass das Röhrchen der Klappe ohne Spiel zwischen den Säulchen sitzt. Geht dabei ganz sachte vor und steigert den Schlag, wenn Ihr merkt, dass sich das Säulchen nicht genügend bewegt hat. Habt Ihr zuviel geschlagen, dann wieder vorsichtig in die entgegengesetzte Richtung zurück Hämmern. Schaut Euch die Säulchen gut an, vielleicht ist ja auch zu erkennen, dass eines nicht gerade auf dem Korpus sitzt. Bei Klappen, die durch eine Achse gehalten werden kann man das besonders gut testen, indem man die Achse ohne Klappe wieder einbaut und guckt, ob diese auf das zweite Säulchen mit dem Gewinde genau auf die Bohrung, dort wo das Gewinde sitzt, auftrifft.

 

 Einziehen der Mechanik ist bei Klappen zu empfehlen, durch die eine Achse läuft und wenn das Spiel etwas mehr ist. Würde man hier das Säulchen so weit mit dem Hammer in die entsprechende Richtung schlagen, besteht Gefahr, dass die Achse nicht mehr gerade durch die Führung auf das zweite Säulchen trifft. Folge wäre, dass die Klappe, wenn überhaupt nur durch Spannung wieder einzubauen ist und die Mechanik nicht frei läuft. Das Einziehen der Klappe wird mittels einer speziellen Zange durchgeführt. Das allerdings könnt Ihr weitaus besser im Film sehen, als es hier zu erklären ist.

 

Ist das Spiel bei einer Klappe mit Achse so groß, dass selbst einziehen nicht mehr möglich ist, muss eine Zwischenlegscheibe angefertigt werden. Trifft das auf eine Klappe bei Euch zu dann sofort im Forum posten, dann werde ich weiterhelfen können. Was das heißt will ich kurz erklären. Eine Zwischenlegscheibe ist kleine Messinghülse und den Außendurchmesser Eures Röhrchens. Diese hat dann die Bohrung der Achse und wird einen Hauch dicker gefertigt als das Spiel der Mechanik hat. Dann wird sie mit einer feinen Feile vorsichtig auf Maß passend gefeilt und beim zusammenbauen dann an entsprechender Stelle eingesetzt.

 

Bei Klappen die durch Spitzschrauben gehalten werden, kann man im Notfall auch etwas mehr mit dem Hammer passend richten, da hier keine Achse durchläuft. Doch gibt es auch dabei Grenzen, wenn das Spiel zu groß wird. Allerdings kommt das äußerst selten vor. Eine weitere Möglichkeit wäre, das Säulchenloch im Durchmesser des Schraubenkopfes etwas tiefer zu fräsen, das die Spitzschraube tiefer einzuschrauben ist. Genauer möchte ich darauf aber auch nur eingehen, wenn einer von Euch vor diesem Problem steht.

 

Beim Auseinanderbauen ist auch darauf zu achten, dass sämtliche Achsen frei laufen. Durch immer wieder erneutes hin- und herschieben der Achse im Röhrchen, ist meist schon das nötigste getan. Beim testen aber auch darauf achten, dass die Achse sauber gewischt ist und auch das Röhrchen mit einem Pfeifenreiniger gesäubert ist. Alte klebrige Ölreste können sonst gerne mal das Ergebnis verfälschen.

 

 Bitte auch darauf achten, dass Eure Achsen gerade laufen, da auch diese sonst eine Freiläufigkeit der Mechanik im gebogenen Zustand verhindern können, auch wenn sie nur ganz leicht verbogen sind. Wie ich Achsen gerade mache, seht Ihr im Film. Für die Tüftler unter Euch, es wäre auch mit einer Bohrmaschine möglich, allerdings muss die eine 100% sichere Befestigung haben.

 

Achtung: Sollte die Bohrmaschine sich aus der Halterung lösen besteht Verletzungsgefahr.

 

Wer eine festgerostete Achse hat und diese nicht mehr einfach gelöst bekommt, kann auf folgende Art und Weise versuchen diese zu lösen.

Auf die kleinen Schlitze zwischen Säulchen und Röhrchen ein bisschen Mechaniköl ins Röhrchen laufen lassen. Genauso auf den beiden Enden der Achse. Dann mit der Lötlampe gut erwärmen

 

Achtung: Da sich die Mechanik erwärmt, besteht Gefahr, dass Ihr Euch die Finger verbrennt.

 

 Dann versucht noch mal kräftig mit dem Schraubendreher die Achse zu lösen. Wichtig ist dabei, dass die Spitze des Schraubendrehers fest in den Achsschlitz passt und nicht groß wackelt. Ein Schraubendreher mit längerem Griff hilft dabei mehr Kraft aufwenden zu können.

 

Wer immer auch noch mehr Foto- oder Filmmaterial benötigt, schreibe es bitte ins Forum. Smatjes und ich werden versuchen allen Bitten nachzukommen.

 


Zusätzliches Werkzeug oder Hilfsmittel


Dreikantschaber...
... um den Kork zu entfernen oder für die Innenseite der Klappen. Hier geht aber auch ein Schraubenzieher oder Messer.


Kleinteilebox ...
... hier geht aber auch ein beliebiges anderes Behältnis


Diverse Spezialzangen ...
... die allesamt unverschämt teuer sind und hier sämtlichst selbstgemacht sind. Für eine Überholung ist der Aufwand und die Kosten aber zu hoch.


Rundholz ...
... um gezielter auf Böckchen einzuwirken. Gibt es in jedem Baumarkt in einer Länge von ca. 1 - 3m. Weitere Rundhölzer werden evtl. noch vorgestellt.


Bohrbank (Bohrmaschine) Holz (Hammergriff) mit Loch. Bitte im Film die genaue Verwendung anschauen.


Lederhammer ...
... Toko setzt gern diesen ca. 25,- € teuren Hammer ein. Nehmt einen kleinen Gummihammer aus dem Baumarkt, der kostet nur ein Bruchteil dessen was dieser Hundeknochen kostet.


Gefühlvolle Hände ...
... zum richten einiger Achsen. Bitte mit vieeeel Geduld und vorsichtig stück für stück biegen.


Zerlegen des Saxophones in allen Einzelheiten.


Ausführliches geradeziehen einer Achse, Lösen von festsitzenden Achsen, Anfertigung einer Unterlgscheibe.

 


 

 

Teil 4:

 

  • Polster entfernen

  • Ausbeulen

  • Planfeilen der Tonlochkamine

  • Federn entfernen

  • Teilerneuerung eines fehlenden Käfigteils

Nachdem Teil 3 gab es ja doch schon durchaus Gesprächsbedarf. Doch nun denke ich sind wirklich alle Fragen geklärt und es schreit ja schon aus den hintersten Ecken nach einer Fortführung.

So soll es denn auch weiter gehen!

 

Polster entfernen:

Nun da sich die GÜ ja so nach und nach nur erweitert, werden die ersten ungeduldigen Ihre Polster sicherlich schon entfernt haben. Es gibt die verschiedensten Varianten, von denen ich eine bevorzuge. Grund ist, dass dabei meist der verwendete Kleber bis auf wenige Flecken gleichzeitig mit entfernt wird.

 

Achtung:

Beim folgenden Erwärmen der Klappen werden diese sich deutlich erwärmen. Wenn hier besonders kleine oder kurze Klappen gehalten werden, dann bitte auf die Finger achten. Notfalls eine Greifzange mit entsprechend glatten Backen benutzen, dass sich erstens niemand die Finger verbrennt und zweitens die Klappe keine Kratzer bekommen kann.

 

 Wie im Film zusehen ist, erwärme ich die Klappe über der Spiritusflamme. Gleichzeitig kann man mit einem Schraubendreher entweder unter den Resonator hebeln, oder aber ins Polster stechen, um dieses während des Erwärmens vorsichtig heraus zu hebeln. Dabei bleibt dann gerne der Kleber am Polster, nachdem er leicht zähflüssig wird, an der Unterseite hängen.

 

Achtung:

Wer Mechaniken verwendet bei denen kein echtes Perlmut sondern Kunststoff an den Deckeln vorhanden ist, kann diese nicht einfach so erwärmen, da der Kunststoff dann verbrennt. Hier ist zu raten, einen Schutz während des erwärmen über das Perlmutimitat zu halten. Ich verwende dafür einen Querflötendeckel, der an einem Stab gelötet ist.

 

 

Tonloch Ausbeulen:

 

Achtung:

Bei Ausbeularbeiten kann schnell mehr kaputt gemacht werden, als ein zufrieden stellendes Ergebnis zu erzielen. Bei Ausbeularbeiten rate ich einen Saxdoc aufzusuchen, auf den Filmen ist der Grund dafür zu erkennen.

 

 

 Es bedarf Fingerspitzengefühl und viel Übung dafür. Schnell ist eine Delle auch nach außen gedrückt oder anderes kaputt gemacht.

 

Außerdem ist eine zweite Hand beim Ausbeulen hilfreich, über denen zum Beispiel ein Säulchen steht oder etwas anderes aufgelötet ist, da die Beule hier nicht raus gerieben, sondern eventuell geschlagen werden muss.

 

Mehr dazu beantworte ich gerne im Forum

 

 

Tonloch Planfeilen:

 

Achtung:

Beim Planfeilen kann ein Tonloch, bei falscher Anwendung, komplett zerstört werden, so dass ein Instrument damit ruiniert ist.Auch hier sollte jeder gut überlegen, ob es nicht besser wäre einen Saxdoc aufzusuchen.

 

 Auf jedenfall ist zu empfehlen, eine spezielle Tonlochfeile zu benutzen. Erstens ist diese schön breit und liegt auf dem ganzen Tonlochkamin, zweitens ist sie relativ fein, so dass nur wenig vom oberen Rand während des Feilens entfernt wird. Wichtig ist, beim Feilvorgang die Feile stets gerade auf dem Tonloch zu bewegen und das Handgelenk dabei steif zu lassen. Ein kippeln oder undefiniertes Bewegen der Feile wird den Kamin unterschiedlich abfeilen und somit das Gegenteil eines geraden Tonlochs bewirken.Niemand sollte eine schmale Feile verwenden, denn damit ist ein gerade arbeiten eines Tonlochkamins für erstversuchende Unmöglich!

 

Federn entfernen:

Achtung: Beim abknipsen der Federn springen diese in einer irren Geschwindigkeit durch die Gegend, dass kann so gefährlich sein, wie fliegende Achsen, gell?!Hierbei sind vor allem die Augen gefährdet.

 

 

 

Federn die erneuert werden müssen, weil sie entweder stark verbogen sind, oder verostet, oder, oder, oder, machen beim richtigen entfernen wenig Arbeit. Die Federn sind so abzuknipsen, dass ein kleiner Stumpf aus dem Säulchen herausragt. Dieser kann dann mit einer entsprechenden Federzange entfernt werden, indem der Stumpf aus der gegenüberliegenden Seite des Säulchens herausgedrückt wird und von dort mit einer Zange entfernt werden kann. Ist bereits eine Feder abgebrochen und steckt komplett im Säulchen, muss diese mit einer anderen Spezialzange herausgedrückt werden. Beispiele dafür werden im Film zu sehen sein.Diese Zangen sind sehr, sehr teuer und wer sie nicht nachbauen kann, sollte die eine oder andere Federn eben vom Saxdoc entfernen lassen.

Bitte noch keine neuen Federn einsetzen. Beim säubern des Instrumentes sind diese eh im Weg und werden somit erst beim montieren der Mechanik erneuert.

 

 

Zusätzliches Werkzeug oder Hilfsmittel

 

Querflötendeckel am Stab ...

kann man selber bauen muss man aber nicht. Ist aber als Schutz für die Taster unentbehrlich.

 

Tonlochfeile ...

unentbehrlich und teuer. Wer Tonlochkamine Planfeilen will muss vieeeeeel üben und etwa 48,- € investieren. Besser ist ihr geht zum Doc.

 

Schmirgelholz ...

das kann nun wirklich jeder selber bauen. Nur fest muss das Holz sein.

 

Noch ne Feile ...

kostet etwa 25,-- € ist auch für das Tonloch und sollte daher nur vom Fachmann genutzt werden.

 

Lötwasser ...

Nicht teuer und hilft beim Löten und Auslöten, dass das Zinn besser dorthin läuft wo man es hinhaben möchte.

 

Federzangen ...

Die sind sooooo teuer (rechts 115,- €) da heißt es selberbauen oder zum Doc die Federn entfernen lassen.

 


Polster entfernen, Tonloch ausbeulen und planfeilen, Federn entfernen

 


Für mich gehört die Reinigung eines Instrumentes zu einem wesentlich Teil der Überholung. Einmal um den alten Schmutz, eventuell auch Grünspan wieder zu entfernen, so dass es wieder angenehm aussieht, zum anderen, um dafür zu sorgen, dass neue Polster bei der Bepolsterung nicht wieder verdreckt werden.

Grundsätzlich unterscheidet sich die Reinigung bei versilberten und Goldlack/vernickelten Instrumenten wie folgt:

versilberte Instrumente: Hier verwende ich ein Silberputzbad und anschließend ein Spülmittel, um den Geruch des Silberputzmittels wieder zu entfernen

Goldlackinstrumente: Hier reicht eine Reinigung mit einem normalen Spülmittel

(vernickelte Instrumente)Das Saxophon mit lauwarmem Wasser anfeuchten. Dann die weiche Bürste mit entsprechenden Putzmittel versehen und schön reinigen.

Je besser hier gearbeitet wird, desto einfacher und bequemer wird das spätere abreiben mit den Stofftüchern.Mit einer Flaschenbürste kann sehr gut das Korpusinnere gereinigt werden. Hier sollte darauf geachtet werden, dass die Bürste ob einen Schutz hat und kein Metalldraht durchkommt, der die Innenwandung zerkratzen könnte.Der Trichter ist mein einer neuen ;:-))) Klobürste gut zu reinigen.

Wenn alles ordentlich abgebürstet wurde kann das Instrument wieder mit lauwarmem Wasser abgespült werden. Lediglich die versilberten Instrumente müssen nach der Behandlung mit dem Silberputzbad nochmals mit einem Spülmittel nachgearbeitet werden, damit der stinkende Geruch dieses Mittels wieder verschwindet.

Die Klappen können in den entsprechenden Reinigungsmitteln mit Wasser eine Zeitlang stehen und einweichen (ca. 10 Minuten), danach lässt sich der Schmutz besser beim abreiben entfernen. Ich empfehle hier erst einmal den Korpus zu säubern und anschließend mit den Klappen zu beginnen, denn wenn diese beim abreiben noch schön feucht sind, lässt sich der Schmutz besser entfernen. Der Korpus lässt sich hervorragend reinigen, wenn man an seinem Arbeitsplatz einen Holzkegel in die Arbeitsplatte einsetzt. Auf diesen kann das Saxophon mit dem oberen Ende (S-Bogenseite) aufgesetzt werden. Die anderes Seite kann man davor sitzend mit dem Bauch andrücken, so dass zwei Hände zum arbeiten eingesetzt werden können. Genau ist dies im Film zu sehen. Nun kann ich mit schmalen Stoffstreifen und einem Lacquer Polish für lackierte Instrumente bzw. einer Politur für versilberte Instrumente das Instrument Stück für Stück im ganzen Umfang abreiben und reinigen.

Bei der Reinigung eines versilberten Instrumentes muss ich allerdings mehrmals mit einem sauberen Stoffstreifen nacharbeiten, um die Politur wieder ganz entfernen zu können. Das verwendete Reinigungsmittel bei lackierten Instrumenten ist Lacquer Polish von Yamaha, bei den versilberten Instrumenten handelt es sich um Unipol.

Die Mechanik lässt sich gut reinigen, indem ein Stoffstreifen in einen Schraubstock gespannt wird und somit eine Hand das Tuch spannt und die andere entsprechende Mechanikteile zum abreiben auf diesem Tuch genutzt werden kann. Auch dieses ist auf dem Video gut zu erkennen. Sollten hier Fragen zu Alternativideen sein, bitte ich diese im Forum zu besprechen. Ein für mich ganz wichtiger Punkt in Bezug auf die Reinigung ist, dass die Tonlochkamine von oben und auch innen sehr, sehr sauber gewischt werden. Wichtig ist es daher, damit die neuen Polster nicht gleich wieder verdrecken, wenn es an die Bepolsterung herangeht.

Zusätzliches Werkzeug oder Hilfsmittel

Bürsten

Eine Flaschenbürste und eine neue Klobürste für den Trichter

Arbeitsbrett

Mit einem Klick vergrößern, der kleine Kegel ist hervorragend geeignet das Saxophon dort anzusetzen und mit dem Bauch einzuklemmen

Lacpolitur

Lacquer Polish für Goldlack oder vernickelte Instrumente ist gut aber nicht zwingend

Dann noch:

  • Einen Schraubstock
  • Stoffstreifen
  • Polierpaste (Sidol, Unipol)
  • Wasser





Das Bepolstern und Zusammenbauen

Wie bestimmt schon einmal erwähnt, richten wir uns beim zusammenbauen und bepolstern nach dem Bau des entsprechenden Saxophons. Auf keinen Fall wird eine Mechanik so verbogen, dass ein Polster danach schon deckt oder eben die Höhe hat wie man es so schön finden würde.

Begonnen wird mit der F-Klappe der rechten Hand. Um abschätzen zu können, wie dick das Polster werden muss ist es sinnvoll, die Klappe erst einmal nackt einzubauen. Dann kann ich die dicke des Polsters ermitteln, indem ich die Klappe entsprechend so festhalte, dass der Deckel parallel zum Tonlochkamin steht. Durch Augenmaß lässt sich somit ersehen, wie dick das Polster werden müsste. Folgend baue ich die Klappe wieder aus und lege erst einmal das Polster so in den Deckel. Dabei lässt sich dann abschätzen wie viel von dem Heisskleber, Siegellack oder Schellack benötigt wird, um die richtige Höhe zu erreichen.

Achtung: Beim verwenden der diversen Kleber, die erhitzt werden, besteht Verletzungsgefahr, wenn zum Beispiel das Klebemittel auf die Hand tropft.

Danach wird dann der Kleber in den Deckelboden gegeben, was zum Beispiel mittels einer Lötlampe gemacht werden kann. Als Unterlage ist ein Brettamboss sehr hilfreich. Darauf kann dann notfalls der Kleber tropfen ohne etwas kaputt zu machen, oder aber die Klebestange zum auskühlen abgelegt werden. Bei Heißkleber bin ich versucht diesen relativ flüssig zu belassen, wenn ich dann das Polster auflege. Bei einem sehr flüssigen Zustand wird eine Ideale Klebewirkung zwischen Deckelboden und Polster erreicht. Danach baue ich die Klappe wieder ein.

Nun kann mit einer Ausleuchtlampe nachgesehen werden, ob dass Polster deckt, bzw. an welchen Stellen es noch offen steht. Dies geschieht, in dem man den Deckel leicht zudrückt und guckt, an welchen Stellen Licht durchscheint. Mittels eines Brennbleches kann das Polster nun so geschoben oder gezogen werden, oder aber auch der Kleber unter dem Polster verteilt werden, dass die Klappe deckt. Dafür muss dann noch einmal das Polster erwärmt werden.

Achtung: Bei Klappen mit Kunststoff als Perlmut Ersatz, muss der Kunststoff geschützt werden, damit er nicht schmilzt.

Nun kann ich das Polster mit dem Einbrennblech in entsprechendem Durchmesser der Polstergröße und dem Innendurchmesser des Resonators schieben, oder aber durch Druck den darunter befindlichen Kleber verteilen, bis dass Polster gerade im Deckel liegt und auch den Tonlochkamin abschließt. Dies sollte bei einem leichten Fingerdruck der Fall sein! Wichtig ist hier, dass der Deckel, wenn das Polster denn endlich deckend ist, absolut parallel zum Tonlochkamin steht. Das sollte aus jeder zu sehenden Perspektive im Idealfall so sein. Dadurch wird ein gleichmäßiger Druck auf das Polster gewährt, welches dann eine lange gute Deckung erreichen wird. Dieser Vorgang wird Prinzipiell mit jeder weiteren Klappe so wiederholt, dass eine erneute Erklärung hier nicht wiederholt werden muss.

Meine Vorgehensweise in der Reihenfolge des Bepolsterns ist wie folgt:

  • rechte Hand: F, E, D, Fis, je nach Instrument auch der Drücker für den Eb-Triller in der rechten Hand
  • Gis-Klappe
  • linke Hand: Cis, H, B, A, G
  • Palm Keys
  • je nach Sax die Verbindung Flageolett zum Palmkey F
  • Oktavmechanik Drücker, der Seitentriller
  • Seiten B-, C-TrillerHoch E,
  • je nach Sax hoch Fis Seiten F-Triller
  • tief Eb, C
  • je nach Sax Eb-Trillerklappe
  • Gis-Drückertief H,B

Je nach Modell kann die Reihenfolge der tiefen Klappen variieren.

Sollten Federn erneuert werden müssen, dann erfolgt vor dem Bepolstern der entsprechenden Klappe. Hiefür empfehle ich gebläute Nadelfedern, die, wenn sie korrekt eingesetzt wurden, eine lange gleichbleibende Spannung erhalten und ein filigranes einstellen der Mechanik ermöglichen. Eine Feder im Ursprungszustand wird durch die Bohrung des Federlochs geführt. Dann hält man die Klappe heran. Man schiebt die Feder so weit hinein, bis die zulaufende Spitze genau hinter der Führung an der klappe sitzt. Dann biegt man die Feder am stumpfen Ende, genau hinter dem Säulchen um. Damit hat man die Länge ermittelt. Man kürzt dann die Feder mit einem Seitenschneider und klopft das stumpfe Ende der Feder etwas platt. Es sollte allerdings nur soviel an Länge platt geklopft werden, dass die platte Stelle nicht auf der anderen Seite des Säulchens wieder heraus gucken kann. Das Plattklopfen geht mit einem Eisenhammer und dem Brettamboss ganz gut. Oder aber am planen Ende eines Schraubstocks. Dadurch das die Feder gespreizt wurde, kann man sie nun mit einer Entsprechenden Federeindrückzange in das Säulchen drücken und sie fällt nicht mehr heraus. Die Feder sollte übrigens so dick sein, dass sie schön stramm in die Bohrung passt.

Zum Abschluss kann sie dann mit einem Federhäkchen auf die entsprechende Spannung gebracht werden. Hierfür sollte jedem klar sein, ob die Klappe im Ursprungszustand geöffnet oder geschlossen ist. Wenn dann alle Klappen der rechten Hand bepolstert sind, geht es an das Bekorken oder Befilzen. Hierfür sollte man noch einmal die Fis und F Klappe einbauen. Dann hält man die Klappe so hin, wie man den Aufgang für sein Instrument wünscht. Auf der Rückseite ist dann gut zu sehen, wie dick der Kork unter dem Schwänzchen sein sollte, damit die Klappe den entsprechenden Aufgang hat. Ich versuche immer erst einmal einen möglichst großen Aufgang zu schaffen, würde dann aber nach der kompletten Überholung beim Antesten nochmals nacharbeiten, wenn es mit der Intonation Probleme gibt. Als ca. Maß kann man die rechte Hand auf 8mm einstellen. Allerdings sollten die Aufgänge von tief D begonnen bis zur Cis Klappe in der linken Hand kontinuierlich einen Hauch weniger Aufgang haben.Gleichzeitig schaue ich, wie dick der Kork zwischen der F-Klappe und der Fis-Klappe auf der Rückseite sein muss, damit beide Klappen gleichzeitig schließen. Folgend klebe ich den entsprechenden Kork, bzw. Filz mittels Patex Classic Kleber und beigemischtem Verdünner von Teroson an. Feinheiten können dann nach dem Einbau mit einem feinen Schmirgel nachbearbeitet werden. Folgend wird dann natürlich der Kork/Filz an den weiteren Klappen der rechten Hand geklebt. Meist kann man dabei dieselbe Stärke benutzen wie auch bei der F-Klappe. Genaueres ist dabei auf dem Video zu sehen. Der Patex Kleber ist ein Kontaktkleber. Das heißt beide zu klebenden Flächen werden eingestrichen und trocknen gelassen. Dann kann man den Kork gut andrücken und er hält sofort.Gleiches Vorgehen wäre dann bei der linken Hand. Bei allen anderen Einzelklappen ist der Vorgang zu wiederholen.Übrigens ist es optisch auch schön anzusehen, wenn der Kork/Filz sauber abgeschnitten wird. Dies geht sehr gut mittels Rasierklingen.

Achtung: Schnittgefahr zum Beispiel an den Händen, wenn mit Rasierklingen gearbeitet wird.

Der S-Bogenkork wird wie folgt geklebt:

Mit dem Messschieber kann die breite des Korkens bemessen werden. Die Länge des ausgeschobenen Stabs am Messschieber kann verwendet werden, um die breite an einem entsprechend dicken Kork einzudrücken. Diesen kann ich dann abschneiden. An der Breitseite schneide ich dann eine kleine Schräge, etwas 45°. Diese dadurch größere Fläche sorgt für einen besseren Halt beim ankleben. Nun quetsche ich den Korken stark. Das geht sehr gut an einem Schraubstock mit geriffeltem Backen. Dadurch wird der Kork weicher und ich kann ich biegen, ohne dass er dann bricht oder einreißt.
Nun bestreiche ich Unterseite und Schräge des Korkens, sowie den S-Bogen selbst. Nach dem trocknen setze ich mit der abgeschrägten Seite an der Unterseite des S-Bogens an und drücke in gut fest. Danach umwickele ich den Kork am S-Bogen immer wieder mit gutem Andrücken, damit er auch hält. Wenn ich dann wieder auf die Schräge treffe, drücke ich den Kork mit dem Daumennagel noch einmal kräftig auf die Schräge. Den Überstand kann ich dann wieder vorsichtig mit der Rasierklinge entfernen. Zum Schluss kann der Kork dann mittels Schmirgelpapier an das MPC angepasst werden. Je nachdem, wie viel Kork entern werden muss, beginn ich mit 150er Schmirgel und gehe zum Schluss mit 400er nach. Dadurch bekommt der Kork eine schöne Oberfläche.

Wenn dann alle Klappen bepolstert wurden, alle mechanischen Verbindungen eingestellt sind, dann kann der erste test beginnen. Abschließend würden somit nur noch eventuelle Feinheiten und Klappenaufgänge zwecks Intonationsverbesserungen eingestellt werden.Abschließend hoffe ich, dass allen diese DSOGÜS viel Freude bereitet hat und dadurch auch einiges vermittelt werden konnte. Ich stehe über das Forum weiterhin zu Verfügung und helfe gerne. Sollten Euch Dinge fehlen oder zusätzlich interessieren lasst uns das wissen. Wir werden dann gerne weitere Fragen oder Wünsche beantworten.

Wenn nötig auch mit Video.

 

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, 08. Juli 2012 17:51

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