Das C-Melody in den USA

Das erste C-Tenor amerikanischer Hersteller hat vermutlich die Firma Conn ca. 1900 herausgebracht. Conn, Martin, Buescher und Holton waren die Hauptproduzenten dieser Saxophone. Sie haben auch diverse Stencils und Second-Lines herausgebracht. Das heißt, andere Saxophonfirmen haben diese Saxophone bei Conn etc. produzieren lassen und unter ihrem Namen angeboten.

Conn brachte Anfang der 20iger Jahre das Straight Neck C-Tenor raus ( ca. ab Seriennummer #60.xxx). Die Curved Necks (Schwanenhals) wurden weiter an den Stencil und Second-Lines benutzt oder auf besondere Bestellung auch an Conns. Das Straight Neck hat einen geraden S-Bogen mit Microtuner (vergleichbar mit einem Alto S-Bogen). Conn ist meines Wissens nach der einzige amerikanische Hersteller, der ein Straight Neck C-Melody produziert hat. Diesen Saxophonen wird der beste Klang und die beste Intonation nachgesagt.

Nach dem 1 Weltkrieg entdeckten die amerikanischen Hersteller den Normalbürger als Kunden. Die Es und Bb Saxophone wurden fast ausschließlich von professionellen Musikern gespielt. Findige Produzenten entdeckten aber sehr schnell das sehr große Potential, das sie durch die Herstellung von C-Melody Saxophonen und durch geschicktes Marketing und erstklassige Verkaufsstrategien erreichen könnten.

Die Vorteile, dass man C-Melodys sofort mit allen klingenden Instrumenten zusammen spielen konnte, wurden schnell erkannt und werbewirksam vermarktet. Jeder konnte sehr schnell mit anderen zusammen musizieren, ohne viel Ahnung von Musik zu haben und ohne transponieren zu müssen. Ein wahrer Hipe brach an, der bis in die Mitte der 30 Jahre reichte. Zu dieser Zeit wurden C- Melody Saxophone als C-Sopranos und C-Tenöre hergestellt, wobei die Produktion der C-Tenöre überwog. In der Zeit von 1910 bis teilweise in die 20er Jahre wurden sogar mehr C-Melodys als Bb Tenöre verkauft. Das C-Melody Saxophon war die erste Saxophonbauart überhaupt, die über den Sear-Roebuck Versandhauskatalog bestellbar war.

Die Prohibition war diesem Hipe sogar sehr förderlich. Man amüsierte sich zu Hause mit Freunden bei einem Gläschen Selbstgebrannten und mit Hausmusik. In den Kirchen wurden sie auch sehr viel eingesetzt. Die C-Melodys waren so ausgelegt, dass sie nicht so laut wie ein Alto oder Tenor waren. Dies hatten den Hintergrund, dass sie meistens nur mit einem Piano oder einer Orgel begleitet wurden und sich nicht in einer Big Band durchsetzten mussten. Mit einem originalen C-Melody Mundstück wird das oft sehr deutlich. Man hat das Gefühl, das Instrument sei irgendwie im Klang gedämpft. Tauscht man das Mundstück gegen ein modernes aus, erlebt man ein komplett neues Instrument. Der wirtschaftliche Aufschwung in den 20igern ließ die Verkaufzahlen in die Höhe schnellen. Die Leute wollten sich diesen kleinen Luxus gönnen, und so stapelten sich die C-Melodys bald als weihnachtlicher Verkaufsschlager unter den Weihnachtsbäumen. Der schlechte Ruf der C-Melody Saxophone ist nicht auf ihre Verarbeitung zurück zu führen. Ganz im Gegenteil, diese Saxophone wurden mit der gleichen Sorgfalt, den gleichen Materialien und dem gleichen Know How hergestellt wie ihre Bb- und Es-Verwandten. Es ist nicht wahr, dass diese Saxophone qualitativ minderwertiger waren als die Bb- und Es-Versionen.

Wahr ist allerdings, dass die Spieler überwiegend Amateure waren und die Saxophone dementsprechend nicht richtig beherrschten oder sie auch sehr oft in  Bierlaune gespielt wurden. Später wurden diese Saxophone leider sehr oft absolut unprofessionell und mit den billigsten Materialien überholt, was dem Klang dieser Instrumente beim besten Willen nicht gut tat. Kein Saxophon klingt gut, wenn es dilettantisch überholt wurde! Daraus resultierte in der Öffentlichkeit die Meinung, diese Saxophone taugen nichts. Ein fataler Trugschluss!

Mit dem Ende der Prohibition und dem Beginn der großen Depression in den 30iger Jahren ebbte die Beliebtheit dieser Saxophone rapide ab. Professionelle Musiker und ernsthafte Musikstudenten hatten für C-Melodys nichts übrig. Die Privatleute hatten kein Geld mehr, sich diesen  Luxusartikel zu leisten. Die Konsequenz daraus war, dass die Firmen die Produktion dieser Ladenhüter aus Kosteneinsparungs- und Überlebensgründen einstellten. Die letzten C-Melodys wurde ca. 1935/1936 hergestellt. Danach verschwanden sie auf Speichern, in Kellern, Schränken und in Pfandhäusern und gerieten fast in Vergessenheit, was für uns heute von großem Vorteil ist. Die meisten C-Melody Saxophone sind sehr gut erhalten. Das Finish ist meistens nahezu perfekt und sie haben auch kaum Beulen, Dellen etc.

Die Firma Vito versuchte in den 60igern das C-Melody noch einmal aufleben zu lassen, mit modernerer Applikatur und verändertem Aussehen.

Diese Saxophone wurden von Leblanc bei der Firma Beaugnier in Frankreich gebaut und waren von sehr guter Qualität (Profisaxe). Der Instrumentenbauer Beaugnier war für seine qualitativ sehr hochwertigen Saxophone bekannt und geschätzt. Er wird häufig mit Selmer und SML verglichen. Selmer war übrigens in der gleichen Straße.

Sie unterschieden sich optisch von den alten Saxophonen. Auffälligster Unterschied ist: Das Vito ist ca. 4-5 cm länger, ca. 65 cm (ohne S-Bogen) als die Vintages und es hat einen geraden S-Bogen. Der Becher ist ca. 3 cm kürzer als bei einem Vintage. Der Außendurchmesser des Bechers ist ca.13,7 cm, bei einem Martin z.B. nur 10,5 cm. Es war auch ein ziemlich schweres Saxophon, ca. 2,7 kg. Die Vintage C-Melodys wogen so ca. 2,1 - 2,5 kg. Leider wurde es damals von der Öffentlichkeit nicht angenommen, es wurden nur ca. 22 Stück verkauft, woraufhin Vito die Produktion einstellte.

Die meisten C-Melody Saxophone (ca. 90 %) hatten ein matt silbernes Finish mit hochglanzpolierter versilberter Mechanik und Klappen und einem glänzenden vergoldeten Innentrichter. Wenige waren matt versilbert und hatten hochglanzpolierte vergoldete Klappen und Mechaniken. Noch seltenere Modelle waren die matt vergoldeten, mit hochglanzpolierten vergoldeten Klappen und Mechaniken. Die Economy-Modelle von damals, die eher billig im Finish waren (bare brass oder vernickelt, goldlack) sind heute noch seltener zu bekommen. Das kommt daher, da sie damals kaum einer gekauft hat, ganz nach dem Motto, wenn schon, denn schon.

Einige C-Melody's findet Ihr hier:

Die absolut meisten C-Melody's gibt es derzeit von Conn. Lyon&Healy, Buescher und Holton folgen mit Abstand dahinter. Von Martin sind C-Melodys deutlich seltener zu finden. Wurlitzer hat seine Saxophone in der Regel von Conn, Buescher und Martin bezogen und man findet, wenn man denn ein Wurlitzer findet, fast nur C-Melodys.

 

 

 

 

Zuletzt aktualisiert am Samstag, 19. Juli 2014 22:46

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